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Interview mit Katja Uhlig

Liebe Katja,

 

wie schön Dich noch am Kudamm 56 zu erwischen und das Du Zeit für uns hast.

Langsam neigt sich die KUDAMM 56 Zeit hier am Theater des Westens dem Ende entgegen.

 

Schwingt schon etwas Wehmut mit oder freust Du Dich auf das Neue?

 

Oh ja. Ich werde diese Rolle sehr vermissen, selbst wenn ich sie bei KUDAMM 59 weiterentwickeln darf. Diese Rolle ist so anspruchsvoll und erfüllend, dass man immer wieder neue Dinge entdecken und an Nuancen feilen kann. Trotzdem freue ich mich auf das nächste Projekt und bin gespannt, wohin die Reise mit der Schöllack noch geht.

  

Caterina Schöllack ist schon eine besondere Frau, wie würdest Du Caterina beschreiben?

 

Sie ist eine sehr disziplinierte, strebsame und strukturierte Frau, die es nicht schafft, sich selbst, ihren Bedürfnissen und denen ihrer Mitmenschen Raum zu geben, weil sie immer danach strebt, gesellschaftliche Erwartung bis zur Perfektion zu erfüllen. Sie ist aber auch eine verletzte und verlassene Frau, die mit einer gefühlsunterdrückenden Härte krampfhaft versucht, nicht zu zerbrechen am Leid der (Nachkriegs-) Welt. Sie möchte alles richtig machen und legt großen Wert auf gute Manieren,

gesellschaftliches Ansehen und harte Arbeit. Sie strebt immer nach Höherem und verliert sich und ihre Mitmenschen aus dem Blick- was ihr aber nicht bewusst ist. Sie glaubt, das Richtige zu tun und steht am Ende von KUDAMM 56 vor einem großen Scherbenhaufen. 



Du hast die Caterina jetzt seit der Premiere 2021 gespielt. Was würdest Du sagen, hat sich die Caterina von damals zu heute verändert? Also konntest Du ihr ein wenig von Dir mitgeben? Wie viel Katja steckt in Caterina?

 

Ja, wir haben uns beide weiterentwickelt. Ich denke, ich kann in dem Rahmen der Caterina jetzt auch klarer immer mal andere Facetten durchscheinen lassen. Auch habe ich Pointen und Witze mehr herausgearbeitet in der vergangenen Spielzeit. Bei all ihrer Strenge und Selbstkontrolle ist sie doch auch sehr schlagfertig und witzig - wenn auch meist auf Kosten anderer.

Ich bin immer wieder überrascht, wie unfassbar gemein sie zu ihren Mitmenschen ist und daraus auch noch Überlegenheit ableitet. Manchmal bekomme ich vor Unwohlsein, Schreck und Fassungslosigkeit, Gänsehaut auf der Bühne während ich spiele, z.B. wenn ich/sie Monika als Kuckuckskind bezeichne/t und sie mit ihrem Schmerz alleine stehen lasse/lässt.



Was habt ihr gemeinsam/, was unterscheidet euch?

 

Ich bin auch eine disziplinierte Person, setze mich leicht unter Druck und gehe allzu oft über meine Grenzen. Ich tendiere auch dazu, Dinge richtig machen zu wollen, womit ich mir manchmal im Weg stehe. Im Umgang mit meinen Mitmenschen unterscheide ich mich zum Glück von Frau Schöllack (denke ich zumindest) und schätze ehrliche Beziehungen, auch wenn das nicht immer bequem ist. In einer Zeitungskritik stand „die Horrormutter“, das freut mich sehr, weil das weit entfernt von meiner privaten Mutterrolle ist, sagt jedenfalls mein Sohn. ;o)

Was Caterina Schöllack definitiv nicht so gut kann wie ich, ist Backen und Torten bauen. Das überlässt sie lieber ihrer Tochter Helga, Dienstleistern oder idealerweise eigenem Personal.

 

Was ist das Besondere an dem Charakter Caterina Schöllack ?

Die dominante Präsenz und starke Fassade, hinter der sich Verletzungen, Enttäuschungen, Ängste und Hoffnungen verstecken und nach und nach zum Vorschein kommen.

 

Gab es eine besonders lustige oder nachhaltige Situation bei KUDAMM 56 als Caterina, an die Du dich heute noch gerne erinnerst?

Ja, der Galantball am Ende ist immer eine Herausforderung für uns als Ensemble und ich liebe es, die Kolleginnen und Kollegen dort bei Laune zu halten und zu provozieren mit der betrunkenen Caterina.

 

Rubrik Pleiten, Pech und Pannen auf der vor oder hinter der Bühne. Hast Du da etwas für uns?

Außer große schwarze Textlöcher, Schuhe, die aufgehen oder eben nicht aufgehen, habe ich nicht so viel zu bieten. Ich zerstöre regelmäßig Stühle, das tut mir leid für die Technik, ist aber kaum zu vermeiden.

 

Kannst / darfst Du schon was zu KU'DAMM59 verraten?

 

Ich weiß selbst noch kaum etwas. Gestern kam das Buch - ich bin gespannt. Es wird auf jeden Fall anders als KU'DAMM 56 und keine „Fortsetzung“ im Sinne eines zweiten Teils. Ich werde bisher in drei Songs solistisch singen und die anderen mit Backings unterstützen. Das Bühnenbildmodell durfte ich schon sehen. Ich freue mich auf den neuen Raum und die Spielmöglichkeiten, die wir darin haben werden.

 

Wie gehst Du jetzt an diese Rolle heran? Im Grunde ist es ja der gleiche Charakter, aber drei Jahre älter und mit neuen Entwicklungen.

 

Ja, ich habe ein gutes Grundgerüst und bin gespannt, wie ich sie in diesem Rahmen weiterentwickeln kann. Das Verhältnis zu Monika wird ein anderes sein. Es wird spannend, wie ich diese Entwicklung überhaupt erzählen kann. Aber auch was liebestechnisch bei Ihr passiert, wird spannend, den Caterina verliebt sich in KU'DAMM59. Das wird eine spannende Facette und Aufgabe.

 

Gibt es weitere Pläne, wo das Publikum Dich noch erleben kann oder liegt die gesamte Konzentration auf KU'DAMM59.

 

Mein Fokus in 2024 liegt auf dieser Weltpremiere. Zusätzlich bin ich seit 2018 festes Ensemblemitglied der Shakespeare Company Berlin und werde dort im Sommer 2024 WAS IHR WOLLT, OTHELLO und MASs FÜR MASs auf unserer tollen Freilichtbühne am Insulaner in Berlin spielen. Es ist ein wunderschöner Ort mit Sommerbiergarten im Grünen und lädt zum Verweilen ein- auch uns SpielerInnen.

Ich freue mich auf diese Abwechslung und die damit einhergehende Herausforderung. www.shakespeare-company.de


Liebe Katja, ganz lieben Dank für Deine Zeit und die spannenden Antworten auf unsere Fragen.

Wir wünschen Dir für die noch kurze Restspielzeit von KU'DAMM56 ganz viel Spaß, eine grandiose Dernière am 29.02.2024 und natürlich ganz viel Erfolg und Spaß bei den Proben für KU'DAMM59.

Wir freuen uns schon jetzt, dann dort eine Caterina Schöllack zu treffen, die uns sicher überraschen wird.



Interview mit Katja Uhlig

Foto © Jörn Hartmann

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