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ANATEVKA



Wenn ich einmal reich wär …

Wer träumt nicht davon?! So auch der arme Milchbauer Tewje aus ANATEVKA in der Magdeburger Inszenierung des Theaterhauses Magdeburg.


Innerhalb weniger Wochen hatte Leidenschaft Musical die Gelegenheit, zum zweiten Mal eine Vorstellung von ANATEVKA erleben zu dürfen. Am letzten Wochenende besuchten wir die Inszenierung des Magdeburger Theaters. Die Premiere im Opernhaus fand bereits am 04. Mai 2019 statt und aufgrund der großen Beliebtheit sowie Aktualität erfolgte die Wiederaufnahme am 17. März 2023.


Ein Klassiker der an Aktualität (leider) nichts verloren hat

Eines der bekanntesten Musicals überhaupt basiert auf dem Buch "Tevye and his Daughters" von Sholem Alejchem. Die Komposition von "Fiddler on the Roof" (englischer Originaltitel) stammt aus der Feder von Jerry Bock und die Texte wurden von Sheldon Harnick verfasst, wobei für die deutsche Version Rolf Merz und Gerhard Hagen verantwortlich sind. Das Musical wurde erstmals 1964 am Broadway uraufgeführt und war ein großer Erfolg. Es ist bekannt für die emotionalen und eingängigen Melodien, die die Geschichte der Figuren unterstreichen und die Zuschauer in die Welt des jüdischen Dorfes Anatevka eintauchen lassen.


Die Handlung des Musicals spielt in der fiktiven jüdischen Gemeinde Anatevka im russischen Zarenreich (im heutigen Gebiet der Ukraine) zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Geschichte von ANATEVKA wird vom armen Milchbauern Tewje erzählt und beleuchtet das Leben jüdischer Bewohner des Schtetls sowie deren gesellschaftlicher und politischer Herausforderungen. Traditionen und Zusammenhalt sind Ihnen besonders wichtig, aber durch die sich ankündigenden Veränderungen wird das Ausleben dieser deutlich erschwert.


Traditionen und Vaterliebe

Tewje lebt mit seiner Frau Golde und ihren fünf gemeinsamen Töchtern in dem kleinen Schtetl und pflegen ihre vertrauten Bräuche. Veränderungen gibt es fast nicht und die Traditionen werden auch nicht infrage gestellt. So ist es selbstverständlich, dass die Eltern zusammen mit der Heiratsvermittlerin Jente (wunderbar von Susi Wirth gespielt) die Männer für ihre heiratsfähigen Töchter aussuchen. Doch es brechen neue Zeiten herein und Tewjes Kinder fangen an ihre eigenen Entscheidungen zu treffen: So wählen sie ihren Mann selbst. Diese Situation bringen Tewje und seine Frau in arge Schwierigkeiten. Die älteste Tochter Zeitel will ihre Jugendliebe den armen Schneider Motel Kamsoil heiraten, statt des wohlhabenden Fleischers Laser Wolf. Hodel, die zweite Tochter, entscheidet sich für den revolutionären Studenten Pertschik und die jüngste will sogar den christlichen Russen Fedja ehelichen. Als Familienmensch vergöttert Tewje seine Töchter, doch seine Traditionen stehen im Zwiespalt mit seiner väterlichen Liebe.


Ein Tewje mit ganz viel Emotionen

Mit seinem Wechselspiel von lustigen und dramatischen Elementen schafft es Andreas Lichtenberger, den Milchmann Tewje perfekt in Szene zu setzen. Er meistert es nicht nur, das Publikum für sich einzunehmen, sondern er bringt die dunklen sowie die schönen Momente stimmlich und schauspielerisch hervorragend zur Geltung. Andreas LIchtenbergers Interpretation von „Kleiner Spatz, kleine Chavaleh“ gibt Tewjes Schmerz besonders zum Ausdruck und geht unter die Haut.



Eine wundervoll harmonisierende Cast die ein perfektes Ganzes präsentiert

Das wunderbare Zusammenspiel von Jacqueline Braun als Tewjes Frau Golde unterstützt das harmonische Bild der Familie. Ihr Witz und ihre scharfe Zunge sorgen für den einen oder anderen Lacher. Die darstellerische wie auch die stimmliche Darbietung von Manja Stein, Jeanette Neumeister und Weronika Rabek, als Zeitel, Hodel und Chawa, sind bewundernswert. Bemerkenswert ist außerdem die Leistung der beiden jüngsten Darstellerinnen. Als Schprintze und Bielke verzaubern Lidia Döring und Annika Pfannkuchen die Zuschauerinnen und Zuschauer und ernten tosenden Applaus. Mit besonderen Charme und dem entsprechenden Talent spielt sich Christian Miebach als Motel Kamsoil in die Herzen des Publikums. Peter Diebschlag als Pertschik und Olli Rasanen als Fedja sowie Paul Sketris als Lasar Wolf überzeugen in ihren Rollen ebenso. Die Besetzung jedes einzelnen Charakters ist in der Inszenierung im Theater Magdeburg wunderbar getroffen und umgesetzt.


Ein großes Plus im Stadtheater volles Orchester und Ensemble

Das fantastische Ballett wollen wir auch nicht verschweigen. Ihren eindrucksvollen Tanzdarbietungen zuzuschauen, ist ein wahres Vergnügen. Musikalisch wird im Theater Magdeburg auch nicht gegeizt. Mit der Magdeburger Philharmonie wird der Saal in großartige Melodien getaucht und es ist ein wahrer Genuss, der Inszenierung zu lauschen.


Der Fiedler auf dem Dach - Hoffnung und Zuversicht

An dieser Stelle möchten wir den „Fiedler auf dem Dach“, wie ANATEVKA auch genannt wird, nicht unerwähnt lassen. Der Fiedler steht als Symbol der Hoffnung.

In der Magdeburger Inszenierung wird der Fiedler von Ulrike Baumbach verkörpert. Der Fiedler hat viele Facetten und Begleiter, so erscheint er genauer gesagt sie hier in Begleitung. Die Folkband „Foyal“ sorgt mit ihrer Besetzung Ulrike Baumbach (Violine), Carlos Martinez (Kontrabass), Carsten Apel (Akkordeon) und Eberhard Saftien (Klarinette) für die perfekte Unterstützung. So schwer die Zeiten auch sind, die Bewohner verlieren nicht ihre Hoffnung und ihren Glauben. Selbst als sie aus ihrem Anatevka vertrieben werden, sehen sie nach vorn …

... und irgendwie sind wir doch alle wie ein Fiedler auf dem Dach - Hoffnungsvoll und Zukunftsorientiert!


FAZIT:

Mit ANATEVKA hat das Theater Magdeburg ein fantastisches Musical mit eindrucksvollen Szenen und brillanten Künstlern auf die Bühne gebracht. Auch wenn es unzählige Aufführungen im Bundesgebiet gibt, so ist es jedes Mal spannend, wie die Inszenierung umgesetzt wird. Im Falle des Theater Magdeburgs ist ein Besuch absolut empfehlenswert.

wer sich über mögliche Termine und Tickets informieren möchte kann das hier tun.


Bildergalerie ©Kirsten Nijhof



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