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Interview mit Dominik Tiefgraber

In der letzten Woche hatten wir die Möglichkeit, Dominik Tiefgraber zu einem interessanten kurzen Interview zu treffen. Dominik wird ab September 2023 im Musical Klassiker CABARET in Freiburg auf der Bühne stehen und ab Januar 2024 im Musical VILLA HAAR mit dabei sein.


Hallo Dominik, wie schön Dich zu sprechen.

Du spielst in der Neuinszenierung von CABARET in Freiburg im Breisgau (Premiere: 22. Sept. 2023) den Ernst-Ludwig und auch den Bobby.

Das ist doch ganz sicher eine spannende Herausforderung?


Ja, sehr spannend sogar, insbesondere diese außergewöhnliche Kombination, einerseits die künstlerische Aufgabe, diese Figuren die nicht unterschiedlicher seien, könnten zu verkörpern, anderseits die Anforderungen, die entstehen, was Kostümwechsel und Ähnliches betrifft.



Welche der beiden Charaktere findest Du persönlich spannender bzw. welche Rolle macht Dir mehr Spaß?


Schauspielerisch spannender ist für mich natürlich die Figur des Ernst Ludwigs, die Gratwanderung zwischen einerseits seinem scheinbaren Wohlwollen und seiner gespielten Freundlichkeit Cliff und Sally gegenüber und andererseits seinem wahren dramaturgisch bösen Charakter, der sich im Laufe des Stückes dem Publikum offenbart.

Wobei es auch eine interessante Herausforderung ist, einen lasziven Charakter wie Bobby darzustellen, zumal man diese Figur sehr vielseitig anlegen kann und sich daher schauspielerisch unendliche Möglichkeiten ergeben.


Diese beiden Rollen sind ja sehr unterschiedlich. Wie gehst Du bei der Vorbereitung damit um?


Bobby ist als Ensemblerolle naturgemäß kein sehr tiefgründig gezeichneter Charakter, sondern symbolisiert eine schwule Figur in den goldenen 20er-Jahren, die aber auch gleichzeitig- wie das nur das Publikum weiß - vom drohenden Unheil betroffen sein wird.


Ernst Ludwig ist ein schauspielerisch herausfordernder Rollentyp, weil man als Darsteller im Laufe des Stückes für das Publikum sehr unterschiedliche Facetten seines Charakters zeigen muss.


CABARET ist ein Musical Klassiker und man sagt allgemein: „Auch wer Musicals nicht mag“ wird Cabaret lieben. Was meinst Du, worin die Faszination in diesem Stück liegt.


Einerseits hat die Verfilmung mit Liza Minelli, dieses Stück für die breite Masse zugänglich gemacht. Anderseits wurde hier eingängige Musik mit vielen Songs geschaffen, die sich sehr schnell zu Ohrwürmern entwickeln konnten, man denke an „Willkommen“ oder „Mein Herr“. Dazu kommt eine Story mit interessanten Charakteren, die Hin und Her gerissen sind zwischen ihrer Suche nach dem persönlichen Glück und einer mehr als herausfordernder Zeit, mit der sich das Publikum leicht identifizieren kann.


Die Inszenierung in Freiburg ist eine Neuinszenierung. Wird es grundsätzliche Abweichungen vom Original geben?


Aufgrund der geringen Größe des Hauses spielen wir mit reiner Klavierbegleitung. Außerdem ergeben sich auch neue Doppelrollen, die für dieses Stück sonst eher ungewöhnlich sind.


Worauf freust Du Dich in dem Stück am meisten?


Dass ich meine stimmliche Vielseitigkeit durch diese Doppelrolle nochmals vergrößern darf.


Lieber Dominik, es geht für Dich im Januar 2024 spannend weiter. Du wirst im Kleinen Theater Haar bei München als Alfred im Stück VILLA HAAR auf der Bühne stehen.

VILLA HAAR ist nach unserer Erkenntnis keine leichte Kost für einen Theaterabend. Wie ist Deine Einschätzung dazu?


Das Musical Villa Haar ist ein hervorragendes Beispiel dafür, dass Musicals nicht nur reine Unterhaltung sind, sondern auch einen Bildungsauftrag erfüllen können. Trotz des ernsten Stoffes wird durch die Kompositionen die Geschichte auflockernd vermittelt.


Die Spielstätte im Kleinen Theater Haar ist der Ort, an dem diese Geschichte auch hätte passiert sein können.

Das Theater liegt auf dem Gelände der Nervenheilanstalt Eglfing-Haar, es wurde hier 1912 errichtet als ein Refugium, das den Mitarbeitenden als kultureller Rückzugsort dienen sollte.

Hier wird nun diese Geschichte über die Grausamkeit und Unmenschlichkeit im Dritten Reich erzählt.

Es ist augenscheinlich ein ganz schmaler Grat zwischen Geschichte und Unterhaltung. Wie kann man den meistern?


Das wird sich erst im Laufe des Probenprozesses Ende des Jahres zeigen, auf den ich mir schon sehr freue.


Wie ist es für Dich als Darsteller in diese schwierige Rolle zu schlüpfen? Beschäftigt man sich im Vorfeld da nochmals intensiver mit dem Thema und wie belastend ist das?


Natürlich beschäftigt man sich zuerst Mal mit dem historischen Kontext, um eine Grundstimmung für die Figur zu kreieren. Wie sehr die Rolle mich belastet, wird sich im Probenprozess zeigen.


Lieber Dominik, vielen Dank für Deine Zeit und die offenen und ehrlichen antworten. Wir wünschen Dir für Deine neuen Projekte ganz viel Kraft und Spaß.


Dankeschön, auch euch ein herzliches Danke.

Mehr über Dominik findet ihr unter https://thobi-artists.net/dominik-tiefgraber/

Interview mit Dominik Tiefgraber
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