130 Jahre Theater des Westens
HAPPY BIRTHDAY
THEATER DES WESTENS

Die Bretter, die Berlin bedeuten
Eine Hommage zum 130. Geburtstag des wohl schönsten Theaters Deutschlands
Seit 1896 wird hier Berliner Theatergeschichte geschrieben.
Seit 130 Jahren steht das Theater des Westens für große Stimmen und große Gefühle, für Glamour und Aufbruch, für Unterhaltung und Haltung – und vor allem für den Mut, sich immer wieder neu zu erfinden.
2026 feiert das Theater des Westens seinen 130. Geburtstag.
Ein Haus, das Kriege, Kaiserreich, Weimarer Republik, Diktatur, Zerstörung, Wiederaufbau, Teilung und Wiedervereinigung erlebt hat. Ein Haus, auf dessen Bühne Opernstars, Schauspielerinnen und Schauspieler, Tänzerinnen und Tänzer, Revuegrößen und Musicalstars standen. Ein Haus, das Berlin nicht nur begleitet, sondern selbst ein Stück Berlin geworden ist.
Das Motto des Jubiläumsjahres bringt es auf den Punkt:
„Die Bretter, die Berlin bedeuten.“
Und kaum ein anderer Satz könnte besser zu diesem außergewöhnlichen Ort passen.
Denn das Theater des Westens ist weit mehr als ein Theatergebäude an der Kantstraße. Es ist ein Erinnerungsort. Ein Ort der Begegnung. Ein Ort des Wandels. Und ein Ort, an dem Generationen von Berlinerinnen und Berlinern ihre ganz persönlichen Theatererlebnisse gesammelt haben.
Man könnte sogar sagen:
Das Theater des Westens ist Deutschlands schönstes Theater.
Nicht nur wegen seiner Architektur. Sondern wegen seiner Geschichte.
I. Ein Palast für die neue Stadt
Als Ende des 19. Jahrhunderts im Westen Berlins ein neuer Stadtteil entstand, war Charlottenburg auf dem Weg, sich zu einem kulturellen und gesellschaftlichen Zentrum zu entwickeln.
Mitten in diesem Aufbruch entstand die Idee für ein großes, repräsentatives Theater.
Der Architekt Bernhard Sehring kaufte dafür einen ehemaligen Kohlenplatz der Meierei C. Bolle und entwarf ein Gebäude, das von Anfang an etwas Besonderes sein sollte. 1895 begannen die Bauarbeiten; die Grundsteinlegung erfolgte am 4. September 1895.
Sehring wollte keinen nüchternen Zweckbau. Er wollte einen Theaterpalast.
Und so entstand eine Architektur, die sich jeder einfachen Einordnung entzieht: Historismus, Renaissance, neobarocke Elemente, mittelalterliche Anklänge und später auch als Jugendstil empfundene Elemente verbinden sich zu einem einzigartigen Gesamtkunstwerk.
Besonders spektakulär ist der Kontrast zwischen Zuschauerhaus und Bühnenturm.
Das Vorderhaus präsentiert sich repräsentativ und neobarock. Dahinter erhebt sich der Bühnenturm wie ein mittelalterlicher Bergfried.
Die vier Ecken des Zuschauerhauses werden durch turmartige Risalite mit hohen Laternen betont. Über dem rustizierten Sockel der Vorderfront erhebt sich ein fünfachsiger Portikus mit sieben großen Rundbogenfenstern.
Auf der Attika wacht die von Johannes Pfuhl geschaffene Perseusgruppe.
An der Seitenfront steht der Siegesbote von Max Kruse.
So wurde das Gebäude selbst zu einer Art Bühnenbild – noch bevor der erste Vorhang gefallen war.
II. 1. Oktober 1896 – Der erste Vorhang
Am 1. Oktober 1896 war es schließlich so weit. Das Theater des Westens öffnete seine Türen.
Zur Eröffnung stand das Märchenschauspiel TAUDENDUNDEINE NACHT von Holger Drachmann auf dem Programm. Damit begann eine Geschichte, die bis heute andauert.
Die Theater des Westens GmbH war der erste Betreiber des Hauses.
Doch schon in den ersten Jahren zeigte sich, dass ein Theater nicht allein von seiner prachtvollen Architektur lebt.
Das ursprüngliche Konzept hatte zunächst nicht den erhofften wirtschaftlichen Erfolg.
Bereits ab 1898 wurde das Haus als Opernbühne genutzt, ab 1908 etablierte es sich zunehmend als Operettentheater.
Damit begann eine Entwicklung, die charakteristisch für die gesamte Geschichte des Hauses werden sollte:
Das Theater des Westens wechselte seine künstlerische Gestalt – aber niemals seine Bedeutung.
III. Oper, Operette und die großen Stimmen des frühen 20. Jahrhunderts
Schon früh entwickelte sich das Theater zu einem bedeutenden Musiktheater.
Ein besonderer Name gehört in diese Frühgeschichte:
Enrico Caruso
Der legendäre italienische Tenor Enrico Caruso trat in Berlin im Theater des Westens auf. Die Berliner Bezirksverwaltung nennt als bedeutendes Ereignis seinen Auftritt am 5. Oktober 1904 mit LA TRIVIATA. Nach negativen Kritiken sagte Caruso weitere Vorstellungen ab.
Doch die internationale Bedeutung des Hauses wuchs. Auch die Welt des Tanzes fand hier eine Bühne.
Die Ballets Russes gastierten in Berlin, und mit Anna Pawlowa kam eine der berühmtesten Tänzerinnen ihrer Zeit in das Haus. Damit war das Theater des Westens schon in seinen ersten Jahrzehnten ein internationales Haus. Oper, Operette, Tanz, Revue, Große Stimmen,
Große Namen.
IV. Der Brand von 1912
Am 25. August 1912 traf das Theater ein schwerer Schicksalsschlag. Ein Brand beschädigte das Haus schwer. Doch wie so oft in seiner Geschichte galt auch diesmal:
Das Theater des Westens kommt zurück.
Das Gebäude wurde wiederhergestellt. Und wenige Jahre später sollte das Haus eine völlig neue Epoche erleben.
V. Berlin tanzt – die Goldenen Zwanziger
Nach dem Ersten Weltkrieg veränderte sich Berlin. Die Stadt wurde schneller, freier, moderner – und widersprüchlicher. Das Theater des Westens spiegelte diese Veränderungen.
1921 gründete Trude Hesterberg im Souterrain des Hauses die legendäre Wilde Bühne. Hier begegneten sich Kabarett, Satire, Schauspiel und musikalische Kleinkunst. Die Wilde Bühne wurde zu einem wichtigen Bestandteil der Berliner Kabarettgeschichte. Später folgten weitere Kleinkunst- und Revueformate.
Das Theater des Westens war damit nicht nur oben auf der großen Bühne ein Ereignis.
Auch unter der Erde wurde Berliner Kulturgeschichte geschrieben.
Die Zwanzigerjahre brachten Opern, Operetten, Revuen und Unterhaltung.
Die Fledermaus gehörte ebenso zum Repertoire wie Alt Heidelberg.
Und auf der Bühne erschienen Künstler, deren Namen bis heute mit der großen Berliner Unterhaltungskultur verbunden sind.
VI. Stars, die Geschichte schrieben
Wenn man die Geschichte des Theater des Westens erzählt, kommt man an seinen Künstlerinnen und Künstlern nicht vorbei.
Marlene Dietrich, Josephine Baker, Zarah Leander, Hildegard Knef, Paul Hubschmid, Helen Schneider, Anna Pawlowa, Enrico Caruso und viele weitere große Namen.
Josephine Baker etwa gehörte zu jenen internationalen Künstlerpersönlichkeiten, die das Berliner Publikum mit ihrer außergewöhnlichen Bühnenpräsenz begeisterten.
Auch Fritzi Massary, eine der großen Stars der deutschsprachigen Operette, trat im Theater des Westens auf; 1927 wurde sie unter anderem mit EINE FRAU VON FORMAT verbunden.
1928 folgte unter anderem Max Adalbert in DAS EKEL, während Josephine Baker mit BITTE EINSTEIGEN das Publikum begeisterte.
Das Haus wurde zum Spiegel einer Zeit, in der Berlin kulturell experimentierfreudig, international und voller Energie war.
VII. Krise, Inflation und das Ende einer Epoche
Doch die Goldenen Zwanziger waren nicht nur golden.
Die Inflation und wirtschaftliche Unsicherheit setzten auch dem Theater zu.
1925 musste das Haus wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage schließen.
Aber die Geschichte war noch lange nicht zu Ende.
VIII. Das Tingeltangel und die Jahre der politischen Verdunkelung
In den späten Zwanzigern und frühen Dreißigern wurde das Haus erneut zu einem Zentrum der Unterhaltung. Im Souterrain entstand das Tingeltangel-Theater, das unter der Leitung von Friedrich Hollaender stand.
Hollaender war einer der bedeutendsten Komponisten und Kabarettisten der Berliner Unterhaltungskultur.
Doch nach 1933 änderte sich Berlin grundlegend. Auch das Theater des Westens blieb davon nicht verschont. Das Haus wurde in die Kulturpolitik des nationalsozialistischen Regimes einbezogen und zeitweise als Volksoper geführt.
1934 wurde Albert Lortzings DER WAFFENSCHMIED als Teil des Programms „Kraft durch Freude“ gespielt.
1935 begann eine neue Spielzeit mit FIDELIO. Die Geschichte des Hauses zeigt in dieser Zeit auch die Ambivalenz von Theater. Ein Theater kann Unterhaltung bieten, es kann Menschen zusammenbringen, es kann Freiheit ermöglichen aber es kann auch von einem politischen System vereinnahmt werden.
Gerade deshalb gehört auch dieses Kapitel untrennbar zur Geschichte des Hauses.
IX. Krieg und Zerstörung
Der Zweite Weltkrieg brachte schließlich die Zerstörung über Berlin. Ein schwerer Luftangriff beschädigte das Theater erheblich. Besonders das Dach sowie Foyer- und Verwaltungsbereiche wurden getroffen. Berlin lag in Trümmern.
Doch erneut sollte sich zeigen, welche Widerstandskraft in diesem Gebäude steckte.
X. 1945 – Ein neues Leben für die Berliner Oper
Nach dem Ende des Krieges wurde das Theater des Westens zu einem der wichtigsten Spielorte der Berliner Oper. Die Städtische Oper Berlin, das heutige Ensemble der Deutschen Oper Berlin, fand hier vorübergehend ihre Heimat.
Am 15. Juni 1945 begann die Nachkriegsgeschichte der Städtischen Oper im Theater des Westens mit Beethovens FIDELIO.
Damit wurde das Theater in einer der dunkelsten Stunden Berlins zu einem Ort des kulturellen Neubeginns. Menschen kamen wieder zusammen. Musik erklang. Der Vorhang ging auf.
Und für einige Stunden konnte Berlin wieder vergessen, dass die Stadt um das Theater herum in Trümmern lag. Bis 1961 blieb das Theater Spielstätte der Städtischen Oper.
Dann öffnete das Deutsche Opernhaus an der Bismarckstraße wieder seine Türen.
Und für das Theater des Westens begann die nächste große Epoche.
XI. 1961 – Die Geburt des deutschen Musicals
Der 25. Oktober 1961 markierte einen Wendepunkt.
An diesem Tag wurde MY FAIR LADY in deutscher Sprache im Theater des Westens aufgeführt. Karin Hübner spielte Eliza Doolittle, Paul Hubschmid Professor Higgins.
Die Produktion lief bis zum 18. August 1963.
Damit wurde das Theater des Westens zu einem der wichtigsten Orte für das Musical in Deutschland. Das war mehr als eine erfolgreiche Produktion. Es war ein kultureller Wendepunkt. Das Musical wurde in Deutschland gesellschaftsfähig.
Und das Theater des Westens wurde zu seiner Berliner Heimat.
XII. Die großen Musicaljahre
In den folgenden Jahrzehnten wurde das Haus immer stärker zum Musicaltheater.
Neben MY FAIR LADY kamen zahlreiche weitere Produktionen, Gastspiele und Wiederaufnahmen auf die Bühne.
Die Spielpläne dieser Jahre zeigen, wie breit das Haus aufgestellt war:
EVITA, ANATEVKA, DER MANN VON LA MANCHA, JESUS CHRIST SUPERSTAR,
GUYS AND DOLLS,CABARET, OLIVER!, CHICAGO, PORGY AND BESS, LA CAGE AUX FOLLES und viele weitere Werke.
Allein die Spielzeiten der frühen 1980er Jahre zeigen, wie abwechslungsreich das Theater damals arbeitete – von Operette über Musical und Oper bis zu Konzerten, Tanz und Gastspielen.
XIII. Helmut Baumann und die große Renaissance
Ein besonders wichtiges Kapitel begann in den 1980er Jahren.
Götz Friedrich übernahm die Intendanz, Helmut Baumann wurde Künstlerischer Leiter.
Beide prägten das Theater über Jahre. Nach umfassender Renovierung wurde das Haus am 14. Dezember 1984 mit GUYS AND DOLLS wiedereröffnet.
Helmut Baumann gab dort anschließend auch seinen Einstand als Regisseur und Hauptdarsteller.
Am 23. Oktober 1985 folgte LA CAGE AUX FOLLES – Ein Käfig voller Narren.
Die Produktion wurde zu einem großen Erfolg und kehrte über Jahre immer wieder auf den Spielplan zurück. Das Theater war zurück.
Und diesmal war es eine der modernsten Musicalbühnen Europas.
XIV. 1987 – CABARET
Ein weiterer Höhepunkt folgte mit CABARET. Die Produktion unter der Regie von Helmut Baumann wurde 1987 am Theater des Westens gezeigt.
Der Theatergemeinde Berlin zufolge wurde die Aufführung zur „Aufführung des Jahres 1987“ gewählt.
Eine besondere Verbindung bestand dabei zu Horst Buchholz, der als Conférencier mit dem Haus und der Berliner Cabaret-Geschichte verbunden war. Berlin bekam auf der Bühne sein eigenes Spiegelbild: glamourös, verführerisch, verrückt, aber zugleich voller Abgründe.
XV. 1988 – PORGY AND BESS
1988 folgte einer der größten künstlerischen Erfolge der Theatergeschichte:
George Gershwins PORGY AND BESS. Inszeniert wurde die Produktion von Götz Friedrich.
Die Besetzung vereinte zahlreiche afroamerikanische Sängerinnen und Sänger, darunter Clamma Dale, Janice Dixon, Wilhelmina Fernandez, Donnie Ray Albert und weitere internationale Künstler. Die Inszenierung wurde zu einem international beachteten Ereignis.
Noch heute gilt diese Produktion als einer der großen künstlerischen Meilensteine des Hauses.
1988 war damit ein Jahr, in dem das Theater des Westens einmal mehr bewies:
Dieses Haus konnte Musical. Dieses Haus konnte Oper. Dieses Haus konnte große Kunst.
Und vor allem: Dieses Haus konnte Berlin.
XVI. Die technische Bühne
Der Erfolg des Theaters beruhte dabei nicht nur auf den Menschen vor dem Vorhang.
Auch hinter dem Vorhang war das Theater des Westens seiner Zeit voraus. Die Bühne verfügt über rund 20 Meter Breite und 16,75 Meter Tiefe. Zusammen mit Vorder- und Hinterbühne ergibt sich eine Gesamttiefe von rund 24,5 Metern. Das Portal ist etwa 11,5 Meter breit und 8,2 Meter hoch.
Die Obermaschinerie verfügt über zahlreiche elektrische Winden und Handkonterzüge.
Das Foyer umfasst eine beeindruckende Fläche von rund 1.673 Quadratmetern.
Und auch der Zuschauerraum ist ein Erlebnis für sich. Die Kassettendecke des Parketts mit ihren zahlreichen Rosetten und Beleuchtungselementen macht deutlich, dass Bernhard Sehring nicht einfach ein Theater bauen wollte. Er wollte einen Ort schaffen, an dem bereits das Betreten des Hauses Teil des Abends wird.
XVII. Das Theater als Gesamtkunstwerk
Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis dieses Hauses. Man geht nicht einfach in das Theater des Westens. Man betritt es. Man steigt die Treppen hinauf. Man sieht die Architektur. Man blickt in das Foyer. Man nimmt seinen Platz ein. Und irgendwann geht das Licht aus.
Dann öffnet sich der Vorhang.
Diese Verbindung aus Architektur, Geschichte, Technik und Kunst macht das Theater des Westens zu einem der außergewöhnlichsten Theatergebäude Deutschlands.
Deutschlands schönstes Theater?
Natürlich bleibt das eine Liebeserklärung und keine messbare Kategorie.
Aber wer dieses Gebäude kennt, versteht, warum viele Menschen genau so empfinden.
XVIII. 1994 – BLUE EANS
1994 gelang dem Theater erneut ein Publikumserfolg.
Mit BLUE JEANS, einer Revue rund um die Musik und das Lebensgefühl der 1950er-Jahre, gelang ein monatelang ausverkauftes Haus. Das Deutsche Musicalarchiv führt die Produktion als Revue-Musical des Jahres 1994.
Es war ein weiterer Beweis dafür, dass das Theater des Westens nicht ausschließlich von internationalen Großproduktionen lebte. Es konnte auch mit Berliner Ideen, Nostalgie und populärer Musik ein großes Publikum erreichen.
XIX. 1996 – 100 Jahre Theater des Westens
1996 wurde das große Jubiläum gefeiert: 100 Jahre Theater des Westens. Ein Jahrhundert lag hinter dem Haus. Kaiserreich. Erster Weltkrieg. Goldene Zwanziger. Diktatur. Zweiter Weltkrieg. Trümmer. Neuanfang. West-Berlin. Kalter Krieg. Musicalboom. Und nun das vereinte Berlin.
Doch nach dem Jubiläum wurde es schwieriger.
Das Konzept, jedes Jahr mehrere Premieren beziehungsweise Wiederaufnahmen zu präsentieren, ließ sich wirtschaftlich nicht dauerhaft halten. Das Theater musste sich erneut verändern.
XX. 2002/2003 – Ein neuer Betreiber
2002 entschied der Berliner Senat, das Theater an den Musicalkonzern Stage Holding, heute Stage Entertainment, zu verkaufen beziehungsweise zu verpachten; das Gebäude selbst blieb im Landesbesitz. Das Haus wurde umfassend umgebaut und modernisiert.
Die Investitionen beliefen sich auf rund zehn Millionen Euro. Am 26. September 2003 öffnete sich der Vorhang erneut.
Auf dem Programm:
LES MISÉRABLES
Das Musical von Claude-Michel Schönberg und Alain Boublil wurde zum Auftakt einer neuen Ära. Seitdem gibt es im Haus kein dauerhaftes Ensemble mehr.
Stattdessen werden große Musicalproduktionen in En-suite-Spielzeiten gezeigt.
Das Theater wurde damit Teil eines internationalen Musicalsystems.
XXI. Die große Musicalära ab 2003
Mit der Wiedereröffnung begann eine außergewöhnlich erfolgreiche Reihe großer Produktionen.
LES MISÉRABLES
26. September 2003 – 31. Dezember 2004
Der große Neubeginn.
DIE DREI MUSKETIERE
6. April 2005 – 25. Juni 2006
Deutschlandpremiere des Musicals.
AIDA
5. August 2006 – 18. November 2006
Das Musical nach der berühmten Opernvorlage.
TANZ DER VAMPIRE
10. Dezember 2006 – 30. März 2008
Ein Publikumsliebling, der später mehrfach nach Berlin zurückkehren sollte.
ELISABETH
20. April 2008 – 27. September 2008
Das Musical über Kaiserin Elisabeth von Österreich.
DER SCHUH DES MANITU
7. Dezember 2008 – 30. Mai 2010
Die Weltpremiere des Musical-Spektakels nach Michael Bully Herbigs Erfolgsfilm.
WE WILL ROCK YOU
21. Oktober 2010 – 21. Oktober 2011
Das Queen-Musical von Ben Elton mit den Songs von Queen.
TANZ DER VAMPIRE – Wiederaufnahme
14. Dezember 2011 – 25. August 2013
Die Vampire kehrten zurück.
GEFÄHRTEN
20. Oktober 2013 – 28. September 2014
Deutschlandpremiere des Bühnenwerks.
MAMMA MIA!
26. Oktober 2014 – 14. Februar 2015
Das ABBA-Musical.
ICH WAR NOCH NIEMALS IN NEW YORK
25. März 2015 – 27. September 2015
Eine musikalische Reise durch die Lieder von Udo Jürgens.
CHICAGO – Wiederaufnahme
11. Oktober 2015 – 17. Januar 2016
Das Musical über Roxie Hart, Velma Kelly und die Welt des Vaudeville.
ICH WAR NOCH NIEMALS IN NEW YORK Wiederaufnahme
24. Januar 2016 – 10. April 2016
TANZ DER VAMPIRE – Wiederaufnahme
24. April 2016 – 25. September 2016
SISTER ACT
9. Oktober 2016 – 25. Februar 2017
DER GLÖCKNER VON NOTRE DAME
9. April 2017 – 4. November 2017
GHOST
7. Dezember 2017 – 7. Oktober 2018
TANZ DER VAMPIRE – Wiederaufnahme
21. Oktober 2018 – 17. März 2019
THE BAND
11. April 2019 – 15. September 2019
Deutschlandpremiere.
MAMMA MIA! – Wiederaufnahme
22. September 2019 – 12. März 2020
Die Spielzeit wurde durch die Corona-Pandemie vorzeitig beendet.
Und wieder schrieb das Theater Geschichte.
Diesmal allerdings eine Geschichte, die weltweit alle Bühnen betraf.
XXII. Die Pandemie – ein stiller Vorhang
Im März 2020 gingen in Berlin die Lichter aus.
Theater, Opernhäuser, Konzerthallen und Kinos mussten schließen. Auch das Theater des Westens blieb nicht verschont.
Für ein Haus, das seit 1896 immer wieder durch Krisen gegangen war, war dies ein weiterer Moment des Stillstands. Doch wieder galt:
Der Vorhang fällt nicht für immer.
XXIII. KU'DAMM 56 – Berlin erzählt sich selbst
Am 28. November 2021 feierte KU'DAMM 56 – Das Musical seine Uraufführung im Theater des Westens. Damit begann eine neue Phase. Das Theater erzählte nun Berliner Geschichte nicht mehr mit internationalen Musicalklassikern. Es erzählte seine eigene Stadt.
West-Berlin. Die 1950er-Jahre. Die Familie Schöllack. Liebe. Gesellschaft. Aufbruch.
Und den Konflikt zwischen Tradition und Freiheit.
XXIV. Romeo & Julia – Liebe ist alles
Am 19. März 2023 folgte die Uraufführung von: ROMEO & JULIA – LIEBE IST ALLES
Musik und Texte stammen von Peter Plate und Ulf Leo Sommer.
Das klassische Shakespeare-Thema wurde in eine moderne deutschsprachige Musicalwelt übertragen.
XXV. KU'DAMM 59
Im Mai 2024 wurde die Geschichte der Familie Schöllack mit KU'DAMM 59 – Das Musical weitererzählt.
Nach KU'DAMM 56 wurde KU'DAMM 59 zum nächsten Kapitel einer Geschichte über eine Stadt im Wandel.
XXVI. Die Amme
2024 folgte mit DIE AMME – Das Musical.
Die Geschichte nimmt die Welt von Romeo und Julia aus einer ungewöhnlichen Perspektive auf. Im Mittelpunkt steht die Amme – eine Figur, die Shakespeare zwar kennt, deren eigene Geschichte aber bislang kaum erzählt wurde.
XXVII. 2026 – WIR SIND AM LEBEN
Zum 130. Jubiläum führt das Theater des Westens seine Geschichte in die Gegenwart.
WIR SIND AM LEBEN – Das Berlin-Musical erzählt vom Berlin der frühen 1990er-Jahre.
Die DDR ist Geschichte. Die Mauer ist gefallen. Eine neue Zeit beginnt.
Menschen suchen ihre Familien, ihre Freiheit, ihre Liebe und ihren Platz in einer völlig neuen Stadt.
Und damit schließt sich ein Kreis:
1896 begann die Geschichte des Hauses in einer Stadt im Aufbruch. 130 Jahre später erzählt das Theater erneut von einer Stadt im Aufbruch. Berlin.
Immer wieder Berlin.
XXVIII. SALON ROSIE – der nächste Vorhang
Die Geschichte geht weiter , ab Herbst 2026 kommt:
SALON ROSIE - Das Musical erzählt die Vorgeschichte zu WIR SIND AM LEBEN.
Die Premiere ist im Herbst 2026 .
XXIX.Die Menschen hinter dem Mythos
130 Jahre Theatergeschichte bedeuten nicht nur 130 Jahre Produktionen.
Sie bedeuten 130 Jahre Menschen.
Schauspielerinnen, Schauspieler, Sänger, Sängerinnen, Tänzerinnen, Tänzer, Musiker, Dirigenten, Regisseure, Choreografen, Bühnenbildner, Kostümbildner, Techniker, Beleuchter, Maskenbildner, Garderobieren, Kassierer, Platzanweiser, Bühnenarbeiter, Orchester, Inspizienten.
Und all jene Menschen, deren Namen niemals auf einem Plakat stehen.
Sie alle gehören zur Geschichte dieses Hauses.
Denn Theater ist immer Teamarbeit.
Der Star auf der Bühne mag das Gesicht des Abends sein.
Aber hinter diesem Gesicht stehen Dutzende, manchmal Hunderte Menschen.
Und genau deshalb gehören auch sie zum 130. Geburtstag.
XXX. Ein Haus voller Erinnerungen
Fast jeder Berliner kennt jemanden, der eine persönliche Erinnerung an das Theater des Westens hat.
Den ersten Musicalbesuch, Das erste Date, Eine Premierenfeier, Einen Abschied, Einen Geburtstag, Eine Schulaufführung, Ein Musical, das man nie vergessen hat.
Sänger-innen, deren Stimme man noch Jahre später im Kopf hört.
Schauspieler-innen, dessen Auftritt man nie vergisst.
Ein Bühnenbild, das einen überwältigt hat.
Oder einfach einen ganz eigenen besonderen Moment, wo einige Stunden die Welt eine andere ist und man dem Alltag entfliehen kann.
XXXI. Das Theater und Berlin
Es gibt Gebäude, die Geschichte beherbergen. Und es gibt Gebäude, die selbst Geschichte erzählen.
Das Theater des Westens gehört zur zweiten Kategorie.
Seine Fassade erzählt vom Kaiserreich. Sein Souterrain erzählt vom Kabarett der Zwanziger.
Seine Bühne erzählt von Oper, Operette und Musical. Seine Narben erzählen vom Krieg.
Seine Wiedereröffnungen erzählen vom Neubeginn. Seine großen Musicals erzählen vom Wandel der Unterhaltung.
Das Theater des Westens hat deshalb nicht nur 130 Jahre überlebt.
Es hat sich 130 Jahre lang immer wieder neu erfunden.
XXXII. Die Bretter, die Berlin bedeuten
130 Jahre nach der Eröffnung steht das Theater des Westens noch immer an der Kantstraße.
Die Stadt um es herum hat sich verändert. Die Namen der Straßen sind geblieben.
Die Menschen sind gegangen und neue gekommen. Technik hat sich verändert.
Musik hat sich verändert. Gesellschaft hat sich verändert.
Berlin hat sich verändert.
Aber etwas ist geblieben:
Der Vorhang, Das Licht, Die Bühne, Und die Sehnsucht des Publikums nach einer Geschichte.
Vielleicht ist das das größte Geheimnis dieses Hauses.
Es war nie nur ein Theater für eine bestimmte Zeit.
Es war ein Theater für seine jeweilige Zeit.
Immer wieder war das Theater des Westens dort, wo Berlin gerade war.
XXXIII. 130 Jahre Theater des Westens – 130 Jahre Berlin
Wenn heute die Lichter des Theaters angehen, leuchten sie über 130 Jahre Geschichte.
Über die großen Namen. Über die großen Produktionen. Über die Erfolge. Über die Krisen.
Über die Menschen. Über die unzähligen Vorstellungen. Über Millionen von Zuschauern.
Und über eine Architektur, die selbst zum Star geworden ist.
Und Generationen von Musicaldarstellerinnen und Musicaldarstellern haben diesem Haus ihre Stimme gegeben.
XXXIV. Ein Geburtstagsgruß
Und deshalb soll unser Blick auf 130 Jahre Theater des Westens nicht nur ein Blick zurück sein. Er soll ein Dankeschön sein. An Bernhard Sehring, der diesen außergewöhnlichen Bau entwarf. An alle Künstlerinnen und Künstler, die seine Bühne betreten haben.
An alle Intendanten und Regisseure, die das Haus geprägt haben. An alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor und hinter den Kulissen. An alle Musikerinnen und Musiker. An alle Menschen, die irgendwann einmal auf dieser Bühne standen und ihr Publikum verzauberten.
Solange der Vorhang aufgeht, lebt das Theater.
Und solange das Theater lebt, lebt auch ein Stück Berlin.
Wir wünschen uns für die Zukunft weiterhin große Stimmen, große Geschichten abwechslungsreiche große Musicals mit abwechslungsreichen Geschichten
im wohl doch schönsten Theater Deutschlands.





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