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GRIMM - Was wirklich im Wald geschah - Eine außergewöhnliche Reunion im Pfefferberg Theater begeistert auf ganzer Linie


GRIMM! – Elf Jahre später aktueller denn je


Am 10. August 2026 durften wir von Leidenschaft Musical im Berliner Pfefferberg Theater einen ganz besonderen Musicalabend erleben:

Die musikalisch konzertante Lesung von GRIMM! brachte das Ensemble der vielbeachteten deutschen Erstaufführung nach elf Jahren noch einmal gemeinsam auf die Bühne.

Was als exklusives Reunion-Projekt angekündigt war, erwies sich als weitaus mehr als ein nostalgisches Wiedersehen.

Der Abend zeigte eindrucksvoll, wie zeitlos stark dieses Musical ist – musikalisch, erzählerisch und vor allem in seiner gesellschaftlichen und politischen Aussage.

GRIMM! hat auch elf Jahre nach seiner deutschen Uraufführung nichts von seiner Relevanz eingebüßt.

Im Gegenteil: Viele der Themen wirken im Jahr 2026 erschreckend aktuell.


Ein besonderes Wiedersehen nach elf Jahren

Die deutsche Erstaufführung von GRIMM! entstand seinerzeit an der Neuköllner Oper als Koproduktion mit der Universität der Künste (UdK) Berlin. Zahlreiche damalige Absolventinnen und Absolventen sind inzwischen erfolgreiche und allseits bekannte Künstlerpersönlichkeiten im Musiktheater.

Umso schöner war es, diese Besetzung an diesem besonderen Abend wieder gemeinsam erleben zu dürfen. Für dieses besondere Projekt kehrte die damalige Berliner Originalbesetzung auf die Bühne zurück:


  • Jan-Philipp Rekeszus als Grimm, der Wolf

  • Devi-Ananda Dahm als Dorothea, Rotkäppchen

  • Dennis Hupka als Schweinchen Didi

  • Dennis Weißert als Hofhund Sultan

  • Sophia Euskirchen als Oma Eule

  • Anthony Curtis Kirby als Rex, der Jäger

  • Katharina Beatrice Hierl als Gisela Geiß

  • Feline Zimmermann als Schweinchen Dicklinde


Schon die Zusammenstellung dieses Ensembles machte den Abend zu etwas Besonderem. Bemerkenswert war jedoch, wie unmittelbar die Spielfreude und die Vertrautheit zwischen den Künstlerinnen und Künstlern wieder spürbar wurden.


Märchenhaft verpackt – gesellschaftlich hochpolitisch

GRIMM! bedient sich der vertrauten Welt der Märchen und ihrer bekannten Figuren, nutzt diese jedoch keineswegs nur zur Unterhaltung.

Hinter Wolf, Rotkäppchen, Schweinchen, Jäger und Co. steckt eine Geschichte über gesellschaftliche Mechanismen, Vorurteile, Ausgrenzung, Macht, Angst und die Entstehung von Feindbildern.

Darin liegt die große Stärke des Musicals: Es gelingt, ernste gesellschaftliche und politische Fragen in eine unterhaltsame, humorvolle und zugleich berührende Geschichte einzubetten.


Was vor elf Jahren bereits bemerkenswert aktuell war, besitzt heute eine geradezu verblüffende Brisanz. In einer Gesellschaft, in der Polarisierung, Ausgrenzung und die Suche nach vermeintlich Schuldigen immer wieder die öffentliche Debatte bestimmen, bekommt die Geschichte eine zusätzliche Dimension.

GRIMM! stellt dabei eine wichtige Frage: Wie schnell wird aus dem vermeintlich Fremden ein Feind – und wie leicht lassen wir uns von vereinfachten Bildern und Vorurteilen beeinflussen?

Dass diese Fragen nicht belehrend, sondern mit Witz, Musik und märchenhaften Figuren vermittelt werden, macht das Stück so wirkungsvoll.


Eine konzertante Lesung mit erstaunlicher szenischer Kraft

Obwohl das Format bewusst als musikalisch konzertante Lesung angelegt war, entstand eine bemerkenswerte szenische Intensität.

Die reduzierte Form stellte die Künstlerinnen und Künstler vor eine besondere Herausforderung:

Wo eine große Musicalinszenierung normalerweise mit Bühnenbild, Kostüm, Choreografie und umfangreicher szenischer Aktion arbeitet, mussten hier vor allem Stimme, Ausdruck, Timing und die eigene Vorstellungskraft die Geschichte tragen.

Und genau das ist hervorragend gelungen!


Die Darstellerinnen und Darsteller schafften es, ihre Figuren auch innerhalb des reduzierten Formats deutlich voneinander abzugrenzen und ihnen Persönlichkeit zu verleihen.

Gestik, Mimik, Stimme und Spiel wurden gezielt eingesetzt, sodass vor dem inneren Auge des Publikums immer wieder kleine Szenenwelten entstanden.

Die Umsetzung war dabei angenehm konzentriert und ließ den Kern des Stückes in den Vordergrund treten: Text, Musik, Figuren und Botschaft.


Jan-Philipp Rekeszus als Grimm – ein Wolf mit vielen Facetten

Als Grimm, der Wolf, überzeugte Jan-Philipp Rekeszus mit einer starken und ausdrucksvollen Bühnenpräsenz. Seine Stimme verlieh der Titelfigur Charakter und emotionale Tiefe. Besonders gelungen war die Fähigkeit, hinter der zunächst eindeutigen Zuschreibung „Wolf“ die vielschichtigere Persönlichkeit der Figur sichtbar werden zu lassen.

Gerade dadurch wurde Grimm zu einer Figur, die nicht einfach in die Kategorien „gut“ oder „böse“ passt – und damit perfekt zur zentralen Aussage des Stückes.


Devi-Ananda Dahm als Dorothea – ein Rotkäppchen mit außergewöhnlicher Persönlichkeit

Devi-Ananda Dahm überzeugte als Dorothea mit einer klaren, warmen und sehr ausdrucksstarken Stimme. Ihrer Figur verlieh sie eine bemerkenswerte Mischung aus Natürlichkeit, Emotionalität und glaubwürdiger Stärke.

Dorothea ist dabei weit mehr als das klassische Rotkäppchen aus dem Märchen. Dahm machte diese moderne Interpretation absolut glaubwürdig und gab ihrem Charakter eine eigene Haltung. Besonders ihre stimmliche Präsenz sorgte dafür, dass Dorothea auch innerhalb der konzertanten Lesung zu einer tragenden Persönlichkeit der Geschichte wurde.


Dennis Hupka als Schweinchen Didi – Humor mit perfektem Timing

Dennis Hupka sorgte als Schweinchen Didi für zahlreiche humorvolle Momente und Lacher im Publikum. Seine Interpretation lebte von einem hervorragenden Gespür für Timing und einer ausgesprochen wandelbaren Stimme.

Dabei blieb Didi nicht auf die Funktion des komischen Elements reduziert. Hupka gelang es, auch die charakterlichen Facetten der Figur herauszuarbeiten. Seine Spielfreude war deutlich spürbar und sorgte regelmäßig für ein Schmunzeln im Publikum.


Dennis Weißert als Hofhund Sultan – souverän und stimmgewaltig

Als Hofhund Sultan brachte Dennis Weißert eine markante stimmliche Präsenz in das Ensemble. Seine sonore Stimme verlieh der Figur Autorität und Charakter.

Gleichzeitig gelang es ihm, Sultan nicht eindimensional anzulegen. Gerade die Verbindung aus Bestimmtheit und menschlicher Wärme machte seine Interpretation sehr sympathisch und überzeugend.


Sophia Euskirchen als Oma Eule – Weisheit, Wärme und Humor

Sophia Euskirchen verlieh Oma Eule eine ganz besondere Ausstrahlung. Ihre Stimme besitzt eine angenehme Tiefe und Ausdruckskraft, die wunderbar zu dieser Figur passt.

Mit feinem Gespür für Humor und Timing entstand eine Figur, die gleichzeitig weise, herzlich und ausgesprochen unterhaltsam wirkte.

Sophia Euskirchen zeigte dabei ausdrucksvoll, wie viel Charakterdarstellung allein durch Stimme und sprachlichen Ausdruck möglich ist.


Anthony Curtis Kirby als Rex – kraftvoll und präsent

Anthony Curtis Kirby überzeugte als Rex, der Jäger, mit einer kraftvollen und markanten Stimme. Seine Bühnenpräsenz war auch im konzertanten Rahmen jederzeit spürbar.

Kirby verlieh Rex die notwendige Entschlossenheit und Stärke, ließ aber gleichzeitig die Ambivalenzen der Figur erkennen. Dadurch fügte er sich hervorragend in das moralisch keineswegs schwarz-weiße Figurenensemble von GRIMM! ein.


Katharina Beatrice Hierl als Gisela Geiß – temperamentvoll und pointiert

Katharina Beatrice Hierl setzte als Gisela Geiß mit ihrer lebendigen Darstellung und ihrer klaren Stimme wunderbare Akzente.

Ihre Interpretation überzeugte insbesondere durch Spielfreude und komödiantisches Gespür. Sie machte Gisela Geiß zu einer Figur, die auch in den humorvollen Momenten stets präsent und eigenständig blieb.


Feline Zimmermann als Schweinchen Dicklinde – charmant und stimmlich überzeugend

Feline Zimmermann komplettierte das Ensemble als Schweinchen Dicklinde mit großer Spielfreude und einer sehr angenehmen stimmlichen Präsenz.

Ihre Darstellung fügte sich hervorragend in das Ensemble ein und zeigte einmal mehr, dass auch anscheinend kleinere Figuren innerhalb eines Stückes, sich zu wahrer Größe entwickeln und sehr liebevoll und charakterstark gestaltet sind.


Fabian-Joubert Gallmeister als Schweinchen Schlau – clever, pointiert und stimmlich präsent

Fabian-Joubert Gallmeister verkörperte Schweinchen Schlau mit genau jener Mischung aus Selbstbewusstsein, Pfiffigkeit, einer Spur Überheblichkeit und komödiantischer Präsenz, die diese Figur auszeichnet. Auch im reduzierten Rahmen der konzertanten Lesung gelang es ihm hervorragend, dem Charakter ein klares Profil zu geben.

Besonders überzeugend war dabei sein Gespür für die feinen humoristischen Nuancen der Figur.

Fabian-Joubert Gallmeister ließ Schweinchen Schlau nicht einfach nur „schlau“ erscheinen, sondern gab ihm eine eigene Haltung und eine wunderbar pointierte Persönlichkeit. Seine stimmliche Präsenz fügte sich ausgezeichnet in das Ensemble ein und setzte gerade in den gemeinsamen Szenen mit den anderen Schweinchen wirkungsvolle Akzente.

Auch musikalisch überzeugte Gallmeister mit einer klar geführten und ausdrucksstarken Stimme. Seine Interpretation zeigte, dass eine Figur auch ohne umfangreiche szenische Mittel allein durch Stimme, Timing und Persönlichkeit lebendig werden kann.

Schweinchen Schlau war hier jedenfalls nicht nur eine Nebenfigur, sondern eine charaktervolle Bereicherung des gesamten Figurenensembles.


Kiara Brunken als Schweinchen Wild – temperamentvoll, ausdrucksstark und mit großer Spielfreude

Kiara Brunken als Schweinchen Wild brachte eine ganz eigene Energie in die Geschichte. Ihre Interpretation überzeugte durch Temperament, Spielfreude und eine wunderbar direkte Bühnenpräsenz.

Gerade im Zusammenspiel mit den anderen Schweinchen entstand dadurch eine reizvolle Dynamik. Kiara Brunken verstand es, Schweinchen Wild auch innerhalb des konzertanten Formats deutlich als klare eigenständige Persönlichkeit erkennbar zu machen. Ihre Darstellung besaß eine angenehme Unmittelbarkeit und sorgte immer wieder für zusätzliche Lebendigkeit im Ensemble.

Stimmlich überzeugte Brunken mit einer sehr präsenten und ausdrucksvollen Stimme, die auch in den Ensemblepassagen gut zur Geltung kam.

Kiara Brunken zeigte damit eindrucksvoll, wie viel darstellerisches Leben auch in einer konzertanten Lesung entstehen kann, wenn eine Künstlerin ihre Figur mit Persönlichkeit und musikalischer Überzeugungskraft ausfüllt.


Ein starkes Schweinchen-Ensemble

Mit Fabian-Joubert Gallmeister als Schweinchen Schlau, Kiara Brunken als Schweinchen Wild, Dennis Hupka als Schweinchen Didi und Feline Zimmermann als Schweinchen Dicklinde war das Schweinchen-Ensemble ausgesprochen vielfältig besetzt.

Gerade die unterschiedlichen Charaktere machten die vier Figuren zu einem wichtigen Bestandteil des humorvollen und zugleich gesellschaftlich pointierten Kosmos von GRIMM!. Jede Figur besitzt ihren eigenen Charakter, ihre eigene Stimme und ihre eigene Funktion innerhalb der Geschichte – und genau diese Unterschiede wurden von den Darstellenden mit viel Spielfreude und stimmlicher Präzision herausgearbeitet.

Das Zusammenspiel der vier Künstlerinnen und Künstler war dadurch nicht nur musikalisch gelungen, sondern auch darstellerisch ausgesprochen unterhaltsam.

Ein Ensemble, das zeigt, dass selbst vermeintliche Nebenfiguren entscheidend dazu beitragen können, die Welt eines Musicals lebendig und glaubwürdig zu machen


Musikalisch auf höchstem Niveau

Besonders hervorzuheben ist die musikalische Qualität des Abends. Die Stimmen des Ensembles harmonierten hervorragend miteinander und zeigten eindrucksvoll, auf welch hohem Niveau sich die damaligen Absolventinnen und Absolventen inzwischen etabliert haben.

Dabei war es besonders schön zu erleben, dass die Künstlerinnen und Künstler trotz ihrer individuellen Weiterentwicklungen noch immer eine gemeinsame musikalische Sprache sprechen/singen. Die Songs funktionierten sowohl als Erinnerung an die damalige Produktion als auch vollkommen eigenständig im Rahmen dieses besonderen Abends.

Die reduzierte konzertante Form ließ die musikalischen Qualitäten besonders deutlich hervortreten.


Es war weitaus mehr als Nostalgie

Für uns war dieser Abend deshalb nicht nur eine Reise zurück zur deutschen Erstaufführung vor elf Jahren.

Es war die Begegnung mit einem Musical, das seine Aktualität bewahrt und in einigen Punkten sogar noch an Bedeutung gewonnen hat.

Die Rückkehr des Stückes machte gleichzeitig sichtbar, welche Entwicklung die damaligen Künstlerinnen und Künstler genommen haben. Aus Absolventinnen und Absolventen der UdK Berlin sind etablierte und vielbeachtete Musicaldarstellerinnen und -darsteller geworden. Sie nun wieder gemeinsam in den Rollen zu erleben, mit denen sie einst Berliner Musicalgeschichte geschrieben haben, war zweifellos ein sehr emotionaler Höhepunkt des Abends.


Ein Musical, das auch nach elf Jahren immer noch etwas zu sagen hat

Die konzertante Lesung von GRIMM! am 10. August 2026 im Pfefferberg Theater war für wohl für alle Besucher:innen ein ganz besonderes Musicalerlebnis.

Die exzellente Besetzung, die stimmliche Qualität, die spürbare Spielfreude und die hervorragende Umsetzung des konzertanten Formats machten den Abend zu einem rundum gelungenen Erlebnis.

Besonders beeindruckend war jedoch die Erkenntnis, dass GRIMM! auch elf Jahre nach seiner deutschen Uraufführung nicht zum musikalischen Zeitdokument geworden ist, sondern im Jahr 2026 erschreckend aktuell wirkt.

Das Musical zeigt auf unterhaltsame und zugleich intelligente Weise, wie Vorurteile entstehen, wie gesellschaftliche Ausgrenzung funktioniert und wie leicht sich Menschen in „wir“ und „die anderen“ einteilen lassen. Genau diese Themen machen GRIMM! heute so relevant.

Und vielleicht liegt darin die größte Qualität dieses Werkes: Es erzählt eine märchenhafte Geschichte, spricht dabei aber über eine sehr reale Welt.


Ein großartiger, außergewöhnlicher Abend mit einem herausragenden Ensemble, exzellenter Musik und einer Botschaft, die auch 2026 aktueller kaum sein könnte.

Für uns war dieser Abend deshalb nicht nur ein Wiedersehen mit einem besonderen Musical – sondern ein eindrucksvoller Beweis dafür, dass gutes Musiktheater auch nach Jahren noch bewegen, unterhalten und vor allem zum Nachdenken anregen kann.


Wir geben die Hoffnung nicht auf, das dieses Musical, vielleicht auch genau in dieser Besetzung noch weitere wundervolle Musical Abende möglich macht.


 
 
 

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© Leidenschaft Musical - Ines Marquardt & Ramona Weiss

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