DRACULA – BLUTIGE ANFÄNGER

Wenn selbst der Fürst der Finsternis keinen Bock mehr hat – und die Hölle plötzlich Konkurrenz bekommt!
Am 11.10.2026 feierte DRACULA - Blutige Anfänger seine Uraufführung. Die
Komödie am Kurfürstendamm,(Ausweichquartier Ernst-Reuter-Saal, Berlin) hat mit diesem Stück eine wunderbar witzige aber auch kritische Inszenierung auf die Bühne gebracht. Wir von Leidenschaft Musical hatten einen wirklich fantastisch, witzigen Abend im Schloss des Herrn Grafen.
Vampir mit Burnout sucht neue Herausforderung – Blutgruppe egal!
Man stelle sich vor, man ist seit Jahrhunderten unsterblich, hat ein Schloss, einen Diener, einen gewissen Ruf in der internationalen Horrorszene und darf sich Graf nennen, ohne jemals einen Cent Erbschaftsteuer gezahlt zu haben. Eigentlich läuft’s! Und trotzdem hängt Dracula durch. Burnout! Der Mann hat einfach keine Lust mehr auf Blut.
Früher reichte ein Knoblauchkranz, um die Menschen in Panik zu versetzen. Heute braucht man dafür offenbar einen Blick in die Nachrichten. Kein Wunder also, dass selbst der berühmteste Blutsauger der Welt inzwischen die Zähne hängen lässt. Wenn einem das Blut der Lebenden schmeckt, als hätte man einen Chemiebaukasten ausgewrungen, und draußen die Welt ohnehin schon verrücktspielt, fragt man sich irgendwann: Wozu die ganze Beißerei?
Bei DRACULA – BLUTIGE ANFÄNGER wird nicht einfach nur gespukt. Hier wird gejammert, intrigiert, gesungen, gewechselt, geschockt und gelegentlich so viel Unsinn veranstaltet, dass selbst der Friedhofswärter einen Antrag auf Versetzung stellen möchte.

Dracula hat die Schnauze voll. Igor ist Vegetarier. Und die Menschheit liefert täglich neue Beweise dafür, dass man für das Böse gar keine übernatürlichen Fähigkeiten mehr benötigt. Ein bisschen Größenwahn, eine Kamera und ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit reichen mittlerweile völlig aus.
Da kann einem die Lust auf Menschenblut schon einmal vergehen.
Die eigentliche Sensation des Abends: Nicht Dracula ist das größte Problem der Welt. Die Welt ist inzwischen Draculas größtes Problem.
Zwei Touris in Rumänien. Einer verliert die Orientierung, der andere gleich die ganze Realität.

Nelly und Mark wollten eigentlich nur Rumänien erkunden. Ein bisschen Landschaft, ein bisschen Kultur, vielleicht ein paar nette Selfies und aussergewöhnlich nette Fotos fürs Internet.
Aber man kennt das ja, so eine Urlaubstrip kann schon mal zur Herausforderung werden. Ziel des Urlaubs raus aus dem Alltag, und dann landet man ausgerechnet dort, wo der Alltag in Form eines jahrhundertealten Vampirs auf einen wartet.
Transsilvanien ist schließlich kein gewöhnliches Urlaubsziel. Hier kann aus einer Wanderung schneller eine Begegnung mit dem Tod werden als aus einer harmlosen Frage nach dem Weg eine Diskussion über Weltpolitik.
Während einer schaurigen Gewitternacht auf der Suche nach einer Unterkunft landen die beiden im Reich Draculas. Wahnsinns Location für coole Selfies, ein Traumland um die Community zu beeindrucken.
Eigentlich, denn dort ist die Lage ungefähr so entspannt wie auf einer Eigentümerversammlung, bei der sämtliche Teilnehmer seit 400 Jahren aufeinander sauer sind.
Im Keller lagern Diktatoren der Geschichte.
Dracula hat sich offenbar gedacht: Wohin mit all den historischen Problemfällen? Andere Länder richten Untersuchungsausschüsse ein. Der Graf nimmt sie gleich persönlich in Verwahrung. Sehr praktisch, solange niemand den Keller aufschließt.

Doch die Vergangenheit ist bekanntlich nicht tot. Sie riecht nur manchmal etwas streng und wartet darauf, dass jemand die Tür öffnet.
Und so geraten Nelly und Mark in ein herrlich absurdes Durcheinander aus Vampiren, Diktatoren, Identitätswechseln und historischen Gestalten, die offenbar allesamt vergessen haben, dass ihre Zeit eigentlich längst abgelaufen ist.
Körper werden getauscht, Rollen wechseln, die Übersicht verabschiedet sich höflich und fährt ohne Rückfahrkarte nach Hause.
Wer ist jetzt eigentlich wer? Wer steckt in welchem Körper? Und warum ist ausgerechnet derjenige, der am wenigsten Blut sehen möchte, mitten im Vampirgeschäft gelandet?
Fragen über Fragen. Die einzige vernünftige Antwort lautet: Man hätte vielleicht doch eine Pauschalreise buchen sollen.
Vier Schauspieler, gefühlt 47 Persönlichkeiten – und keiner hat Urlaub!
Was diese Produktion auf die Beine stellt, grenzt an Personalmangel mit künstlerischer Auszeichnung. Vier Darsteller stellen ein komplettes Universum aus Vampiren, Touristen, historischen Herrschaften und sonstigen menschlichen Fehlentwicklungen auf die Bühne.
Andere Theater brauchen dafür ein Ensemble, drei Garderoben, eine Umbaucrew und einen Praktikanten, der ständig fragt, wer als Nächstes dran ist. Hier reichen vier tolle Künstler.
Das ist nicht nur Theater, das ist künstlerisches Know-How unter erschwerten Bedingungen.
Tonio Arango als Dracula – ein Graf mit ewiger Midlife-Crisis

Tonio Arango spielt den Fürsten der Finsternis, der nach Jahrhunderten des Schreckens feststellen muss, dass die Konkurrenz inzwischen deutlich jünger, lauter und politisch besser vernetzt ist.
Dracula hat alles überlebt: Kriege, Revolutionen, schlechte Frisuren und vermutlich auch die eine oder andere Vampirmode, die heute nur noch auf historischen Kostümpartys tragbar wäre. Aber die Gegenwart macht ihm zu schaffen.
Der Mann möchte einfach seine Ruhe. Ein bisschen Blut, ein bisschen Dunkelheit, keine lästigen Sonnenaufgänge.
Stattdessen muss er sich mit einer Welt auseinandersetzen, in der die Lebenden immer öfter den Eindruck machen, sie hätten bei den Untoten hospitiert.
Tonio Arango gibt dem Grafen die nötige Mischung aus aristokratischer Würde und erschöpftem Weltschmerz. Er gibt einen Herrscher, der sich einst vor nichts fürchtete und heute vermutlich schon beim Wort „Breaking News“ das gruseln bekommt.
Sein größtes Problem ist nicht mehr Knoblauch.
Es ist die Erkenntnis, dass man als Monster heutzutage ordentlich etwas leisten muss, um überhaupt noch aufzufallen.
Früher war Dracula der Schrecken der Menschheit. Heute fragt man sich, ob er nicht einfach ein überarbeiteter Abteilungsleiter ist, dessen Team nur noch aus Problemfällen besteht.
Boris Aljinović als Igor, Nicolae Ceaușescu und Gabriel

Boris Aljinović ist der personifizierte Beweis dafür, dass ein gutes Theaterensemble keine große Personalabteilung braucht. Er übernimmt gleich mehrere Rollen und wechselt zwischen ihnen, als hätte er zu Hause einen Kleiderschrank mit separatem Eingang für jede Persönlichkeit.
Als Igor ist er Draculas Diener. Normalerweise wäre das ein überschaubarer Job: Schloss sauber halten, Gäste erschrecken, Blut servieren, gelegentlich jemanden aus dem Keller holen. Doch dann wird Igor Vegetarier!
Igor bringt damit frischen Wind in die Gruft – und vermutlich den ersten ernsthaften Interessenkonflikt der Vampirgeschichte.
Dracula braucht Blut, Igor möchte keines mehr sehen. Da hilft nur noch ein Mediationsgespräch, möglichst bei gedimmtem Licht.
Als Nicolae Ceaușescu und Gabriel muss Aljinović wiederum ganz andere Register ziehen. Vom dienenden Hausgeist zum Diktator ist es ein ordentlicher Karrieresprung. Wobei man sich fragt, ob das wirklich eine Beförderung ist.
Aljinović macht aus der Rollenvielfalt ein komödiantisches Vergnügen. Ein Mann, viele Gesichter, null Langeweile. Und vermutlich ein Garderobenteam, das nach der Vorstellung erst einmal kollektiv Urlaub beantragt.
Anika Baumann als Nelly, Elena Ceaușescu, Maria Stuart und Mina – vier Frauen, eine Schauspielerin

Anika Baumann hat einen Spielplan, für den andere Schauspielerinnen eine ganze Saison benötigen würden. Nelly, Elena Ceaușescu, Maria Stuart und Mina – das ist keine Rollenliste, das ist ein Persönlichkeitstest mit Kostümwechsel.
Als Touri Nelly stolpert sie in die Vampirwelt, ohne zu ahnen, dass ihr Urlaub bald mehr historische Wendungen enthält als ein kompletter Geschichtsunterricht.
Dann geht es weiter zu Elena Ceaușescu, Maria Stuart und Mina. Von der modernen Reisenden zur Diktatorengattin, zur tragischen Königin und in die Welt der klassischen Vampirgeschichte: Wer hier den Überblick behalten will, sollte besser ein Personenregister mitbringen.
Anika Baumann muss dabei nicht nur verschiedene Figuren darstellen, sondern auch dafür sorgen, dass das Publikum bei all den Identitätswechseln nicht versehentlich den Falschen beklatscht.
Eine beachtliche Leistung. Andere Menschen schaffen es kaum, morgens die richtige Jacke anzuziehen. Anika Baumann wechselt gleich ganze historische Epochen.
Samson Fischer als Mark, Dschingis Khan und Jonathan – vom Urlauber zum Welteroberer in Rekordzeit
Samson Fischer beginnt als Mark, einem Mann, der wahrscheinlich lieber Sehenswürdigkeiten anschauen würde, als plötzlich in einer Geschichte zu landen, in der selbst die Toten noch Termine haben.
Doch aus dem Touristen wird ein Teil des großen Durcheinanders, und mit Dschingis Khan kommt auch noch ein historischer Eroberer ins Spiel. Als Jonathan verbindet Fischer das Geschehen mit der klassischen Dracula-Welt.
Der Mann hat einen sehr abwechslungsreichen Arbeitstag. Morgens vielleicht noch Reiseführer, mittags Welteroberer, abends Vampirgeschichte. Andere machen eine Weiterbildung, Samson Fischer übernimmt gleich mehrere Jahrhunderte.
Wenn Dracula lieber Adele hört, statt jemanden zu beißen
Ein Vampir ohne Musik ist wie ein Friedhof ohne Grabsteine: Es fehlt einfach die Atmosphäre.
In DRACULA – Blutige Anfänger wird die Gruft zur Popbühne. Evanescence, Adele, Elton John, der „Time Warp“ aus der ROCKY HORROR PICTURE SHOW und „If You Don't Know Me by Now“ von Simply Red sorgen für musikalische Abwechslung und gute Stimmung.
Eine Mischung, die klingt, als hätten sich ein Gothic-Festival, eine Karaoke-Bar und eine etwas übermüdete Vampirfamilie auf einen gemeinsamen Abend geeinigt.
„Time Warp“ – wenn die Zeit endgültig aus dem Ruder läuft
Der Klassiker aus der ROCKY HORROR PICTURE SHOW ist geradezu prädestiniert für diesen Abend. Hier werden Identitäten getauscht, historische Figuren aufgewärmt und die Gegenwart mit der Vergangenheit vermischt. Warum also nicht auch die Zeit auf die Tanzfläche schicken?
Simply Red – „If You Don't Know Me by Now“
Das Finale mit Simply Red ist ein besonders schöner musikalischer Seitenhieb. Denn wenn in diesem Stück ständig Körper und Identitäten wechseln, ist die Frage, ob man den anderen überhaupt noch kennt, durchaus berechtigt.
Dracula kennt die Menschen seit Jahrhunderten und versteht sie offenbar immer weniger. Bei dem Tempo der Show kann es ihm kaum verdenken.
Die Musik macht den Abend zu mehr als einer gewöhnlichen Vampirkomödie. Sie bringt Schwung in die Handlung, sorgt für Wiedererkennung und lässt die Figuren auch einmal Gefühle zeigen, ohne dass gleich dramatisch in den Hals gebissen werden muss.
Ist das Böse zurück? Oder hat es nur nie Feierabend gemacht?
Jetzt wird es politisch. Und zwar auf die angenehm unangenehme Art.
Im Keller von Dracula lagern die Diktatoren der Geschichte. Nicolae Ceaușescu ist dabei, und auch Dschingis Khan gehört zum historischen Figurenreigen. Man könnte meinen, der Graf betreibe ein Museum des Schreckens. Nur ohne Audioguide und mit einer ausgesprochen fragwürdigen Hausordnung.
Doch das eigentlich Gruselige ist nicht, dass die alten Monster wieder auftauchen. Das Gruselige ist, dass ihre Methoden bisweilen erschreckend modern wirken.
Macht um jeden Preis? Check. Personenkult? Check. Die Überzeugung, dass alle anderen keine Ahnung haben? Doppelcheck. Und wenn die Wirklichkeit nicht mitspielt, wird sie eben so lange zurechtgebogen, bis sie in die eigene Erzählung passt.
Da braucht man keinen Vampir mehr. Da reicht schon ein Politiker mit ausgeprägtem Ego und einem Beraterteam, das ihm niemals widerspricht.
Das Stück spielt mit dieser unangenehmen Erkenntnis. Die historischen Schreckgestalten stehen für eine Vergangenheit, die man gerne abgeschlossen hätte. Doch Geschichte ist kein Keller, den man einmal aufräumt und dann für immer zusperrt.
Sie kommt wieder. Manchmal in Büchern, manchmal in Talkshows, manchmal in Wahlkämpfen – und manchmal mit einem frisch gebügelten Anzug und einem sehr großen Mikrofon.
Die satirische Pointe lautet: Vielleicht sollte Dracula weniger Angst vor den Menschen haben. Vielleicht sollten die Menschen wieder etwas mehr Angst vor ihren eigenen politischen Verführern entwickeln.
Und trotzdem bleibt der Abend eine Komödie. Er verteilt keine wissenschaftlichen Analysen, sondern bissige Seitenhiebe. Manchmal trifft er damit ins Schwarze, manchmal begnügt er sich mit einem kleinen Zwicken.
Aber immerhin: Hier wird das Publikum nicht nur zum Lachen gebracht, sondern auch daran erinnert, dass die Monster der Vergangenheit selten von allein verschwinden.
Wer sitzt im Oval Office? Dracula erwägt eine Bewerbung
Das Oval Office ist bekanntlich ein Ort, an dem Entscheidungen getroffen werden, die nicht selten Auswirkungen auf den Rest der Welt haben. Es ist aber auch ein Ort, an dem sich politische Macht hervorragend inszenieren lässt.
Und genau hier wird der Vergleich mit Dracula interessant.
Der Graf hat schließlich jahrhundertelange Erfahrung mit Herrschaft, Einschüchterung und dem Auftritt als unangefochtener Chef. Er weiß, wie man einen Raum betritt, wie man andere zum Schweigen bringt und wie man sich als unverzichtbar präsentiert.
Bei der modernen Politik könnte er sich einiges abschauen. Oder umgekehrt?
Wer sitzt im Oval Office? Die Frage ist nicht nur eine Frage nach einer Person. Sie ist auch eine Frage danach, wie viel Macht eine einzelne Person erhalten sollte, wie kontrollierbar sie bleibt und wie leicht sich die Öffentlichkeit von großen Inszenierungen beeindrucken lässt.
Dracula könnte sich jedenfalls vorstellen, dass die politische Kommunikation von heute durchaus seine Handschrift trägt. Ein bisschen Angst verbreiten, ein paar Feindbilder pflegen, möglichst oft im Mittelpunkt stehen – und schon wird aus dem Fürsten der Finsternis ein Kommunikationsberater mit erstaunlich guten Karrierechancen.
Es gibt aber einen entscheidenden Unterschied, Der Fürst der Finsternis gibt offen zu, dass er Blut will.
Die Frage nach dem Oval Office erhält dadurch eine schön groteske Note. Das Publikum darf lachen und gleichzeitig darüber nachdenken, wie dünn die Linie zwischen politischem Theater und wirklichem Theater manchmal geworden ist.
Eine Frage bleibt noch, ist die Hölle umgezogen?
Früher stellte man sich die Hölle als einen Ort vor, an dem es heiß ist, die Luft nach Schwefel riecht und das Personal ausgesprochen unfreundlich wirkt.
Heute könnte man fast meinen, sie habe ihren Standort gewechselt und arbeite inzwischen im Schichtbetrieb.
Die Nachrichten liefern jeden Tag neue Geschichten über Kriege, Machtkämpfe, autoritäre Tendenzen und Menschen, die offenbar überzeugt sind, dass die Welt ohne sie nicht funktionieren kann.
Die Hölle muss sich da schon etwas einfallen lassen, um noch als besondere Attraktion zu gelten.
BLUT - Elixier für Vampire
Und dann ist da auch noch das Blut, das nach Glyphosat schmeckt. Selbst ein Vampir kann sich nicht mehr auf die Qualität seiner Grundversorgung verlassen. Früher war Blut Blut. Heute braucht man wahrscheinlich eine Zutatenliste, eine Herkunftsbescheinigung und ein Gespräch mit dem Umweltamt.
Das ist schwarzer Humor mit einem durchaus aktuellen Hintergrund: Umweltbelastung, Zukunftsangst und die Sorge, dass wir uns unsere eigene Lebensgrundlage langsam selbst vergiften.
Wenn sogar Dracula über die Qualität seiner Nahrung klagt, ist das ungefähr so, als würde der Teufel die Kirchensteuer kritisieren. Irgendetwas läuft dann wirklich schief.
Vielleicht ist die Hölle also gar nicht umgezogen. Vielleicht hat sie einfach nur ihre Öffnungszeiten erweitert.
Vier Menschen gegen den Wahnsinn – und der Wahnsinn gewinnt fast
Die große Leistung dieser Produktion liegt in der Spielfreude des Ensembles. Vier Darsteller müssen ständig zwischen Figuren, Epochen und Stimmungen wechseln.
Tonio Arango gibt Dracula die richtige Portion aristokratischer Müdigkeit. Boris Aljinović verwandelt sich mit großer Flexibilität vom Diener zum Diktator. Anika Baumann muss sich durch ein ganzes Figurenkarussell spielen, und Samson Fischer hält neben seinen Rollen auch musikalisch den Laden zusammen.
Die schnelle Abfolge der Szenen erzeugt Tempo. Die wechselnden Figuren sorgen für Überraschungen. Und der Kontrast zwischen den großen historischen Namen und den kleinen menschlichen Schwächen bringt viele komische Möglichkeiten hervor.
Natürlich besteht bei so viel Durcheinander immer die Gefahr, dass die Handlung gelegentlich schneller läuft als die Orientierung des Publikums. Manchmal möchte man am liebsten eine kleine Tafel hochhalten: „Entschuldigung, wer sind Sie gerade?“
Aber genau diese Überforderung gehört auch zum Prinzip des Abends. Die Welt ist aus den Fugen geraten, die Vergangenheit marschiert durch die Gegenwart, und die Figuren versuchen verzweifelt, die Kontrolle zu behalten.
Absolute Realität!
Dracula braucht Urlaub, die Welt eine Therapie
DRACULA – Blutige Anfänger ist eine schwarze, musikalische Horrorkomödie, die mit Vampiren, Diktatoren, Popklassikern und aktuellen politischen Anspielungen ein ziemlich wildes Theatergebräu zusammenrührt.
Das Ensemble trägt diesen Abend mit viel Wandlungsfähigkeit und komödiantischem Einsatz. Die Songs sorgen für Wiedererkennung und Schwung, während die Geschichte immer wieder zwischen Grusel und Gesellschaftssatire hin und her springt.
Manchmal hätte die politische Satire gern etwas tiefer zubeißen dürfen.
Doch die Grundidee ist stark: Was passiert, wenn selbst das Böse von der Gegenwart überfordert ist?
Vielleicht ist Dracula gar nicht mehr der Schlimmste. Vielleicht ist er einfach nur ein alter Mann, der seine Ruhe möchte und sich fragt, warum die Menschen draußen ständig neue Katastrophen veranstalten.
Ein höllisch unterhaltsamer Abend für alle, die schwarzen Humor mögen, sich über historische Wiedergänger amüsieren können und bei der Nachrichtenlage gelegentlich den Verdacht haben, dass die Realität gerade ein ziemlich schlechtes Drehbuch schreibt.
Und die drei großen Fragen?
Ist das Böse zurück? Es war vermutlich nie weg. Es hat nur den Umhang gegen einen Maßanzug getauscht.
Wer sitzt im Oval Office? Jedenfalls jemand, der Dracula bei der Selbstinszenierung noch den einen oder anderen Trick beibringen könnte.
Ist die Hölle umgezogen? Möglich. Aber vermutlich hat sie inzwischen mehrere Niederlassungen.
Dracula jedenfalls sollte sich dringend einen neuen Job suchen. Vielleicht als Coach für ausgebrannte Führungskräfte. Oder als Berater für politische Krisenkommunikation.
Denn eines hat er inzwischen gelernt: Die Ewigkeit ist lang. Aber die Gegenwart ist manchmal noch viel schlimmer.
Und wenn selbst der Fürst der Finsternis die Hoffnung verliert, bleibt uns wenigstens noch das Theater.
Dort darf man über den Wahnsinn lachen, bevor er wieder vor der eigenen Haustür steht.
DRACULA treibt noch bis zum 06. November 2026 sein spassiges Unwesen an der Komödie am Kurfürstendamm (Ernst Reuter Saal, Eichborndamm 213, Berlin). Jetzt zur Halloween Zeit sicher eine gute Idee Tickets zu besorgen.
Kleiner Tipp am 31. Oktober gibt es im Anschluss an die Show noch eine Halloweenparty.





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