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KU`DAMM 56 Das Berlin-Musical

Leidenschaft Musical hat das neue Berlin Musical KU`DAMM56 besucht. Wir haben uns auf

eine Reise in das Berlin um 1956, den Jahren der Nachkriegszeit und des Wirtschaftswunders begeben.


Probleme der Zeit

Prüde Moralvorstellungen der elterlichen Nachkriegsgesellschaft prallt massiv auf die Sehnsucht nach Freiheit , Selbstverwirklichung und der Rebellion der Jugendlichen, die nicht mehr bereit sind, den Idealen ihrer Eltern bedingungslos zu folgen. Ihre Begeisterung gilt vielmehr Musik, Tanz, Kino und der Entdeckung ihrer eigenen Sexualität. Besonders junge Frauen rebellierten gegen die Wertevorgabe der Frau als Mutter und gehorsame Ehefrau, die dem Mann zu Diensten sei.

Genau in diesem Konfliktpotenzial bewegt sich die Story von KU`DAMM56.


Eine Mutter der Zeit

Caterina Schöllack Besitzerin der Tanzschule GALANT am Berliner KU`DAMM ist konservativ, etwas unterkühlt, aber auch Mutter und Frau. Ihre Aufgabe der Zeit, ihre drei „heiratsfähigen“ Töchter Eva, Helga und Monika standesgemäß und gut versorgt an den Mann zu bringen.


Bei unserem Besuch durften wir in der Rolle der Caterina Schöllack, Lisa-Marie Sumner erleben.

Bemerkenswert die Umsetzung der unterkühlten, strengen und unnachgiebigen Mutter. Stimmlich ist Lisa-Marie Sumner ein wirklicher Hauptgewinn für die Show. Das wird einem nicht erst bei dem Titel „Früher war alles schöner“ bewusst. Durchgehende, stimmlich sichere Bühnenpräsenz gepaart mit darstellerischer Perfektion geben dem Charakter der Caterina Schöllack genau das, was die Rolle braucht. Die einerseits unnahbare, abgeklärte und gestandene, pflichtbewusste alleinerziehende Frau im Gegensatz zum innerlichen Konflikt mit der Sehnsucht nach Akzeptanz und Liebe.


Töchter der Zeit

Ihre drei Töchter Eva (Isabel Waltsgott), Helga (Tamara Pascual) und das „schwarze“ Schaf der Familie Monika (Sandra Leitner) konnten ebenfalls durch ihre perfekt positionierte Umsetzung der Charaktere überzeugen.

Gleich zum Start werden dem Publikum die gesellschaftlichen Stellungen der Mädchen in der Show klar dargelegt.

Mit dem Song „Monika ist unmöglich“, wird sofort klar, wer den Hauptkonflikt in der Story auslösen wird. Helgas bevorstehende Hochzeit und Evas Bestreben Ihren Chef Prof. Fassbender für sich zu gewinnen, geben ebenfalls bereits Hinweise auf das zu erwartende Konfliktpotenzial.


Witz und Tragik

Die Story nimmt sofort richtig Fahrt auf. Die Probleme und Vorgaben der Zeit holen die Protagonisten ein. Helgas Ehe entwickelt sich nicht wie geplant. Die Homosexualität Ihres Ehemannes zerbricht die Wertvorstellungen von Helga und ihre angestrebte Perfektionalität als Ehefrau. Ein Highlight war für Leidenschaft Musical Helgas Performance zum Titel "Heut ist ein schöner Tag“. Tamara Pascual schaffte es gekonnt, Helgas Situation mit unglaublichem Witz, aber auch der Tragik in der Situation mit überaus stimmlicher Höchstform in Szene zu setzen.


Erwartungen und Standesdünkel

Eva gerät in ihrem Vorhaben, den Professor für sich zu gewinnen, durch das Kennenlernen von Rudi, einem Maurer, ins Schwanken. Eva hat den Verlust Ihres Vaters, der von ihrer Mutter für tot erklärt wurde, nie wirklich akzeptiert und überwunden. Der Professor ist für sie eine Vaterfigur und durch seinen gesellschaftlichen Stand der perfekte Versorger. Rudi hingegen, jung mit Träumen und Zielen, reizt das junge Mädchen sehr und macht es neugierig. Ihre Erziehung und die Folgsamkeit gegenüber ihrer Mutter Caterina lässt aber nicht zu, sich den Gefühlen zu Rudi zu öffnen. Ihre Aussage „ich kann doch keinen Maurer heiraten“ beschreibt es umfänglich. Isabel Waltsgott als Eva überzeugt als gehorsame und nicht selbst entscheidende junge Frau. Gehorsam und Anpassung gehören für sie als Frau zur vorgegebenen und erwarteten Lebensphilosophie.


Träume und Verzweiflungstaten

Sandra Leitner war bei unserem Besuch die „unmögliche“ Monika. Gescheitert und gefeuert in der Hauswirtschaftsschule, ist sie überzeugt „Sie kann gar nichts“. Ihr verzweifelter Versuch, dieses Leben zu verlassen, wird durch Freddy (Nico Went) vereitelt. Freddy gibt Monika den Halt, den sie gerade jetzt braucht. Denn Monika ist keinesfalls unmöglich. Sie ist ein junges Mädchen mit Träumen, Idealen und Plänen. Diese passen aber nicht in die Zeit, in der sie lebt.


Die Rebellion gegen Altes, Verstaubtes steht in den 50er-Jahren noch ganz am Anfang und so ist es für Monika und die anderen der Clique um Freddy schwer, ihre Vorstellungen auszuprobieren und umzusetzen.

Eindeutige Gegensätze und ein Top Tanzensemble

Im Stück wurde dieser Gegensatz super gelöst. Die durch das Tanzensemble hervorragend dargebotenen Tanzszenen und auch der Kleidungsstil Petticoat zu Dr. Martens Schuhen und Lederjacke geben dem Aufbegehren der Jugend ein eindeutiges Gesicht.

Die alles begleitenden Tanzszenen haben uns außerordentlich begeistert. Gepaart mit den einzigartigen Songs und Melodien von Peter Plate und Ulf Sommer war es ein absolut überzeugendes Ganzes.


Witz und Emotionen

KU`DAMM56 hat unwahrscheinlich viel Witz, aber auch jede Menge emotionale Momente, die uns als Zuschauer jederzeit bei der Story gehalten haben. Es gab keine Längen und keine Minute Langeweile. Im Gegenteil, die Show hat das Publikum sofort mitten rein in die Handlung gezogen.


Ein Erlebnis für Generationen

KU`DAMM56 ist ein Generationenstück. Jene Besucher, die in den 50er-Jahren im Alter von Eva, Helga, Monika und Freddy waren, werden sicherlich viele Erinnerungen an „die gute alte Zeit“ haben. Diejenigen, die damals in der Altersklasse von Caterina waren, werden bestimmt an die „Probleme“ der Zeit und die vorherrschenden gesellschaftlichen Standesdünkel, mit einem lachendem und einem weinenden Auge zurückdenken. Ja, und die jungen Besucher? Die Jugend von heute wird mit einem Kopfschütteln und Erstaunen auf die Jugend ihrer Eltern und Großeltern blicken. Ganz sicher ist aber, dass es nach der Show Gesprächsbedarf zwischen den Generationen geben wird. Kann das sein, war das wirklich so?


Leidenschaft Musical findet KU´DAMM56 ist ein wunderbares Musical, das Generationen verbindet und im Gespräch danach verbinden kann. Es kann sicher auch Verständnis vermitteln, für Dinge die in den Generationen unterschiedlich gesehen werden.


Dass dies so ist, können wir bestätigen, in den Pausengesprächen konnte man dazu erste Eindrücke bekommen.

Begeistert hat uns, wie die Berliner und ihre Besucher dieses Musical annehmen. Lange Zeit konnte man im Berliner Theater des Westens einen verkauften 1. Rang nicht erleben. Dies hat sich natürlich auf die Stimmung im Saal ausgewirkt. Tosender Applaus nach jedem Szenensong bestätigen wohl in beeindruckender Form, wie die Besucher auf diese Musicalproduktion reagieren.


Unser Fazit:
Unbedingt reingehen, anschauen und begeistert mit Erinnerungen nach Hause gehen.

Mit KU`DAMM56 ist ein neues Berlinmusical geboren, welches der Stadt Berlin gerecht wird und ihr nebenbei noch eine eigene Hymne mit“ Berlin Berlin“ geschenkt hat.


KU`DAMM56 ist wie Berlin! Anders, rebellisch, direkt, aber liebenswert und ehrlich. Neugierig und Lust auf einen Berlin Besuch am KU`DAMM56 ? Hier gehts es zu den Tickets.

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