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ROCKY HORROR SHOW Alter Schlachthof Dresden

Richard O Brian`s ROCKY HORROR SHOW ist ein Musical mit wahrem Kultcharakter und so zieht jede Aufführung des Klassikers immer wieder die Fangemeinde an. Aber auch in jeder Show findet man “neue“ Erdlinge, Entschuldigung Personen, die sich zum allerersten Mal auf die bizarre Reise begeben.


Beginnend auf einer gut bürgerlichen Hochzeit der 50er-Jahre, mutet alles noch harmlos und gesittet an. Das ändert sich spätestens nach der Ankunft des jungen Paares, welches durch eine Autopanne gezwungen ist, sich in einem abgelegenen alten Schloss Hilfe zu suchen.

Was dann auf das Publikum zukommt, lässt sich in Worte eigentlich nicht wirklich aussagefähig und treffend fassen.


Wir von Leidenschaft Musical sind in der Hinsicht von Besuchen der Rocky Horror Show bereits vorbelastet. Bisher allerdings immer in Shows, die dem Original doch immer sehr nahe waren.

Um so mehr waren wir auf die Neuinszenierung von Sebastian Ritschel, im Alten Schlachthof in Dresden gespannt.


Zunächst etwas zur Location. Der Alte Schlachthof in Dresden präsentiert sich seinem Publikum offen, hell und einladend. Es wird im Vorbereich des Theatersaales mit mehreren kleinen Theken für das leibliche Wohl der Gäste gesorgt. Getränke und ein kleiner Snack sind dort erhältlich. Der Service war gut eingespielt und somit wurden die Gäste schnell bedient und es gab keine langen Wartezeiten.


Durch die Landesbühnen Sachsen wurde dem Publikum das „Must Have“ zur Show angeboten.

Wir waren von der Ausstattung des Fanbags beeindruckt. Ein hochwertiger Stoffbeutel mit Showaufdruck beinhaltete neben den obligatorischen Knicklichtern extra mit Aufdruck gestaltete Spielkarten, eine speziell für die Show gedruckte Zeitung (die beim Durchlesen schon richtig Lust und Spaß machte), eine mit dem Logo der Landesbühnen Sachsen bedruckte mittelgroße Wasserpistole, eine wirklich stabile und laute Ratsche und eine verschließbare Plastetüte für den Reis. Reis und die Füllung für die Wasserpistole erhielt man in ausreichender Menge gleich neben dem Verkaufsstand.

Zusätzlich zum Fanbag ist das Programmheft für 1 Euro mit guten Szenenfotos, der Castlist erhältlich.

Im Fanbag findet sich noch eine Verwendungsanleitung für die im Beutel enthaltenen Dinge. Der Fanbag kostet 8,50 Euro wirklich sehr angemessen, da ein Großteil der Gegenstände als Fan Goodies zur Erinnerung mit nach Hause genommen werden konnte und sicher immer wieder zum Einsatz kommen kann.


Beim Betreten des Theatersaales war schon erkennbar, dass es anders werden würde als die bisher besuchten ROCKY HORROR SHOWS. Ein geraffter pinkfarbener Theatervorhang dominierte die Bühne.

Eigentlich doch sehr passend, denn ist die ganze Show nicht etwas Ähnliches wie ein Traum in einer Rosaroten-pinkfarbenen Blase, surrealistisch abgedreht und ein Trip in eine andere Dimension?

So jedenfalls müssen es auf jeden Fall Janet und Brad empfinden, unser gesundes junges Pärchen aus gut bürgerlichen Verhältnissen, die den Sündenfall von Adam und Eva nochmals am eigenen Körper erleben werden.

Die Show beginnt und als Erzähler präsentiert sich uns Lutz van der Horst, der in souveräner Art die Show startet und ein paar einführende Worte zum Ablauf der Show gibt. Die da bereits aufkeimenden „Boring“ Rufe aus dem Publikum meistert er hier und in der gesamten Show meisterhaft mit Charme, Witz und Humor.


Die beiden Platzanweiserinnen, Insider wissen, es sind Magenta (Julia Harneit) und Columbia (Romina Markmann), die Schwestern aus Transilvania betreten den Saal durch die Seitentüren des Theaters und stimmen das Publikum mit „Science-Fiction — Double Feature“ auf die Show ein.


Die Handlung nimmt ihren Lauf und hält sich bei der Inszenierung von Sebastian Ritschel an die bekannten Fakten und Abfolgen, einzig das Bühnenbild und die Kostüme einzelner Charaktere weichen von altbekannten ab. Zuerst etwas verwirrend hat man sich aber sehr schnell auf diese Veränderung in der Show eingelassen und wir können von unserer Seite her sagen, es hat keineswegs gestört oder den Handlungsablauf beeinflusst. Es war spannend und es hat einfach gepasst und gestimmt. Bühnenbild und Kostüme harmonieren und tun in anderer modernerer Form den einzelnen Charakteren wirklich gut.


Besonders auffällig ist sicher die Veränderung bei Riff Raff, dem doch bisher schrulligem und etwas schmutzig und seltsam anmutenden Dieners des seltsamen Hauses.

In der Dresdener Inszenierung wird der Charakter Riff Raff von Martin Mulders gespielt. Sein Riff Raff ist das Gegenteil. Er ist skurril, sexy, aber augenscheinlich sehr gefährlich und das ganze Gegenteil des bisherigen Rollenprofils.


Besonders hat uns die stimmliche und darstellerische Präsenz von Martin Mulders beeindruckt, welche dem Charakter Riff Raff hier noch zusätzlich etwas Einzigartiges und Prägnantes gab. Mimik und Bewegungsabläufe haben in einer wunderbaren Form harmoniert und gut präsentiert, was Riff Raff ausmacht. Diener des Meisters aber keineswegs ein fremdgesteuertes Wesen, das keine eigenen Ziele verfolgt.


Janet (Karen Müller) und Brad (Merlin Fargel) unser gesundes junges Pärchen aus gut bürgerlichem Hause, könnte auch gut aus bisherigen Produktionen adaptiert sein. 50er-Jahre Stil, anständig, keusch und sittsam. Die Wandlung zum eigenen Körper und die Gefühle entdeckendem Paar ist hervorragend gelungen und im Laufe des Handlungsverlaufes überzeugend umgesetzt. Die beiden geben der Stückaussage lebe Dein Leben, gib Deinem Gefühl Raum und setzte Dich über die Erwartungen anderer an dich hinweg, um glücklich und frei zu sein, ein Bild und transportieren diese ins Publikum.


Der eigentliche Hauptakteur der ganzen schrillen Reise Frank`N´Furter (Jan Rekeszus). Der vermeintlich durchgeknallte Wissenschaftler, der künstliches Leben erschaffen kann und verkündet, den Schlüssel der Menschheit in den Händen zu halten, ist auch der eigentliche Verlierer auf diesem abgefahrenen Trip. Als selbst ernannter Herrscher, der allen anderen zeigt, dass das Leben nicht nur schwarz und weiß, sondern bunt, spannend und eigenwillig ist, muss am Ende erfahren, dass dies zwar genauso ist, aber wenn man es übertreibt und sich selbst über alles und in den Mittelpunkt stellt, ohne Rücksicht auf die Gefühle und Bedürfnisse der anderen nicht gut enden wird.


Jan Rekeszus als sexbesessener und machtgieriger Frank`N`Furter ein Geniestreich bei der Castwahl. Gesanglich, darstellerisch optimal für diesen Rollenpart. Was uns besonders gut gefallen hat, ist das man den Charakter der Rolle durch die Kostümwahl wunderbar unterstreicht, von der Diva beim ersten Auftritt bis hin zur Floorshow und in diese nicht mit einer unsäglichen Perückenwahl (leider schon zu oft gesehen) zerstört.


Die Transilvanischen Schwestern Magenta und Columbia schaffen eine wunderbare Verbindung innerhalb der verschiedenen Showhandlungen. Magenta eher gemäßigt und die agierende im Hintergrund und Columbia schrill und doch recht aufmüpfig, könnten unterschiedlich nicht sein.


Frank`N`Furters geschaffenes Idealwesen Rocky (Andrew Chadwick) im regenbogenfarbenen Slip und athletischem Körper wird hier weniger überzogen dümmlich dargestellt als sonst gewohnt im Stück. Rocky ist eher als naiv einzustufen, hilflos und unwissend, aber trotz nur halber Gehirnhälfte von Eddy keineswegs dumm. Andrew Chadwick hat die Rolle super umgesetzt und gesanglich nochmals die Gesamtleistung des Teams unterstrichen.


Eine kleine Kritik haben wir dann doch noch. Eddie! Die Kritik richtet sich aber wirklich an Eddie, nicht an den Darsteller der Rolle. Für uns war Eddie zu überzogen dargestellt in Outfit,/Perücke,/Maske. Irgendwie passte er so gar nicht in die doch sonst so gekonnte Abstimmung im Stück. Das ist aber nur unsere subjektive Meinung und sicher Geschmackssache.


Eddie wurde von Michael Berndt-Canana gespielt. Die Umsetzung der Rollenvorgabe war perfekt und ohne Wenn und Aber gelungen. Ebenso schlüpfte Michael Berndt-Canana bemerkenswert in die Rolle des Dr. Everret Scott und gab überzeugend den kranken, behinderten Professor der für so manchen zusätzlichen Lacher sorgte.


Ein besonderes Augenmerk ist noch auf die 4 Phantoms (Ramona Helder, Lea-Katharina Krebs, Robin Apostel, Semme Prins) zu richten fantastische Maske, tänzerisch absolut top und wirkliche Phantoms. Es war schwer auszumachen, welches Phantom weiblich oder männlich war. Fantastisch umgesetzt und somit den Charakter des Androgynen perfekt getroffen.


Die komplette Show hat uns überzeugt und angeregt, am nächsten Abend nochmals nach Transilvania zu reisen. Eine neue Inszenierung, die nicht so angestaubt wirkt wie das Original mit einer Castauswahl, die perfekt gelungen ist. Was uns noch sehr beeindruckt hat, ist wie die Darsteller eine perfekte Performance in den tollen, aber doch wohl sehr gefährlichen HIGH HEELS umsetzen und damit nicht nur tanzen, sondern Treppen bewältigen und Verfolgungsjagden auf der Bühne umsetzen. Hut ab, diese HIGH HEELS tun Frau schon nur beim Anschauen weh.


Die Stimmung im Publikum war bombastisch und die Interaktionen funktionierten wunderbar. Somit war es ein brillantes Ganzes. Noch ist die Show bis zum 3. Juli 2022 immer freitags, samstags und Sonntag jeweils um 19:30 Uhr zu sehen.



Wir wünschen uns und dem Publikum, das diese Show mit genau dieser Cast, vielleicht zum Herbst oder spätestens im nächsten Jahr wieder aufgenommen wird. Wir würden sehr gerne wieder ins Dresdner Transilvanien reisen.




Wir bedanken uns für 2 wundervolle Showabende und wünschen der gesamten Cast noch viel Spaß und ein volles Haus für die noch kommenden Vorstellungen.




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