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Ein Klassiker ist zurück …

Aktualisiert: 27. März 2023



… LES MISÉRABLES auf Tour in den Niederlanden

Mit LES MISÉRABLES kehrt ein Musical-Klassiker auf die niederländische Bühne zurück. Das Musical basiert auf dem gleichnamigen Roman von Victor Hugo. Während die Texte für das musikalische Stück aus der Feder von Claude-Michel Schönberg stammen, zeichnet sich Alain Boublil für die wundervolle Musik aus. Erstmals wurde das Musical 1980 in Paris uraufgeführt und hat seitdem zahlreiche Aufführungen in verschiedenen Ländern und Sprachen erlebt. Da der Urversion des Stücks wesentliche Handlungsstränge fehlten, wurde 1985 in London eine revidierte Inszenierung auf die Bühne gebracht. Federführend war hier der Produzent Cameron Mackintosh, Trevor Nunn und John Caird von der Royal Shakespeare Company führten Regie. Der Erfolg und die riesen Begeisterung griffen schnell auf andere Länder über, so auch auf unsere Nachbarn. Die erste niederländische Produktion von LES MISÉRABLES wurde 1991 im Circustheater in Scheveningen aufgeführt und konnte auch hier das Publikum im Sturm erobern. Nach der Spielzeit 2008/2009 kehrt das Erfolgsmusical nun auf die Bühne zurück und tourt 2023 durch verschiedene Städte der Niederlande und Belgien.


Leidenschaft Musical hatte am letzten Wochenende die Gelegenheit, in den Genuss von LES MISÉRABLES in Amsterdam zu kommen. Vom 18.02. bis 19.03.2023 gastierte das Musical im wunderschönen Koninklijk Theater Carré und die Vorfreude auf das Stück ergriff uns bereits bei der Einnahme unserer Plätze. Die vielen liebevollen Details am Bühnenrand ließen die Erwartungen steigen und wir wurden nicht enttäuscht. Das Bühnenbild gab dem ganzen einen stimmungsvollen Eindruck und hat uns in die Geschichte vollkommen abtauchen lassen.


Eintauchen ins Frankreich des 19. Jahrhunderts



Die Handlung von LES MISÉRABLES spielt im Frankreich des 19. Jahrhunderts und folgt dem Leben des ehemaligen Sträflings Jean Valjean, der nach 19 Jahren Haft auf Bewährung entlassen wird. Verkörpert wird Jean Valjean vom fantastischen Milan van Waardenburg, den die meisten unserer Leser sicher aus Musicals wie Tanz der Vampire, Glöckner von Notre Dame, Anastasia und/ oder Die Eiskönigin kennen. Sein Talent konnte er dort schon ausgiebig zeigen und avancierte nach kurzer Zeit zum Publikumsliebling. Doch mit der Charakterrolle des Jean Valjeans katapultiert sich Milan nun in den Musicalolymp. Stimmlich wie auch schauspielerisch eine absolute Meisterleistung. Man fühlt jede Emotion bis unter die Haut. Zusammen mit den prächtigen und authentischen Kostümen sowie dem großartigen Haar und Make-up wird der Alterungsprozess nicht nur von Jean Valjean hervorragend in Szene gesetzt, sondern auch die seines Verfolgers und früheren Gefängniswärters Inspektor Javerts.


Der perfekte Gegenspieler


Während Valjean versucht ein neues Leben zu beginnen, wird er nun zum Polizeiinspektor beförderten Javert ver-folgt. Javerts gnadenlose Art wird brillant von Freek Bartels dargestellt und stimm-lich nimmt auch er das Publikum von Beginn an gefangen. Inspektor Javert will Jean Valjean mit allen Mitteln für immer zurück ins Gefängnis bringen und die Wege der Beiden kreuzen sich in den Jahren mehrmals, doch Jean Valjean gelingt es in jeder Situation, sich der Verhaftung zu entziehen. Nach der Haftentlassung und frustrierenden Ver-suchen, ehrlich an Geld und Arbeit zu kommen, erhält Valjean Unterschlupf beim Bischof von Digne (Rick Zwart) und lernt durch dessen Güte und Barmherzigkeit, dass es auch in der Welt außerhalb des Gefängnisses noch Gutes gibt. Dies inspiriert Valjean dazu, sein Leben zu ändern und fortan anderen zu helfen. Unter neuem Namen erarbeitet sich Valjean nicht nur Reichtum, sondern auch Ansehen. Er schafft es ins Bürgermeisteramt und betreibt eine Fabrik in Montreuil. In diesem Werk arbeitet auch Fantine, welche von der wunderbaren Isaura Kuyt gespielt wird. Die Tatsache, dass Fantine ein uneheliches Kind hat, führt zum Streit unter den Arbeitern und Valjean geht dazwischen. Die Lösung des Problems überlässt er seinem Vorarbeiter, welcher Fantine auf die Straße setzt. Den persönlichen und gesellschaftlichen Absturz Fantines kann Isaura Kuyt sehr ergreifend umsetzen. Das Leid und die Verzweiflung ist fast buchstäblich greifbar und die Stimme Isauras kommt mit dem Song „Mijn Droom“ („I Dreamed a Dream“) perfekt zur Geltung. Leider meint das Schicksal es mit Fantine nicht gut und ihr Tod ist unausweichlich. In ihren letzten Stunden steht ihr Valjean zur Seite.


Währenddessen kämpft das Volk in Paris für Freiheit und Gleichheit. Fantines kleine Tochter Cosette (Nora Schustow) lebt bei dem schmierigen Wirt Thénardier und dessen Frau. Das Paar ist nicht nur laut und überdreht, sondern auch etwas vulgär und skrupellos. Mit Yannik Plugers und Saskia Schäfer wurde eine ausgezeichnete Besetzung gefunden. Ihre herrlich komische Art lockert das ernste Stück auf und sorgt für den einen oder anderen Lacher. Ihre eigene kleine Tochter Eponine (Emi van der Meer) wird im Gegensatz zu Cosette von vorn bis hinten verwöhnt und führt daher ein angenehmeres Leben. Die Schuldgefühle am Tode Fantines und sein Versprechen ihr gegenüber, Cosette zu helfen, führen Valjean zu den Thénardiers. Er rettet Cosette aus den Händen der anrüchigen Wirtsleute und nimmt sie als seine Pflegetochter auf.


Die Jahre vergehen …


… und aus der kleinen Cosette wird eine junge Frau. Das Vater-Tochter-Gespann verschlägt es nach Paris. Dort trifft Cosette (Sem Gerritsma) auf den jungen Marius Pontmercy (Michael Muyderma) und verliebt sich in ihn. Marius ist Teil der studentischen Unruhen in Paris. Revo-lutionäre Studenten, darunter Enjolras (Yoshua van den Brock), planen den Barrikadenkampf. Der Revolutions-gedanke und der Kampfgeist sind deutlich spürbar und dank der eindrucksvollen Darstellung von Michael Muyderma, Yoshua van den Brock, sowie den anderen Akteuren der Aufständischen hat der Zuschauer das Gefühl direkt dabei zu sein und sie in ihrem Vorhaben zu unterstützen. Trotz seiner jungen Jahre ist der Straßenjunge Gavroche eine wichtige Unterstützung im Barrikadenkampf. Besonders beeindruckt waren wir von der Darbietung von Aïden Maij, der die Rolle Gavroche übernommen hat. Seine freche und unerschrockene Art passt ausgezeichnet zur Charakterolle und sein Rollentod geht durch Mark und Bein.

Im Zuge der Kämpfe in Paris tauchen die ehemaligen Wirtshausbesitzer Thénardiers in der französischen Hauptstadt auf, um mit ihrer Bande die Bürger um ihr Geld und ihre Wertgegenstände zu bringen. Auch die Tochter der Thénardiers, Eponine, ist mit in Paris und begleitet ihre Eltern auf deren Beutezügen. Die Pariser Straßen haben bei Eponine ihre Spuren hinterlassen. Genau wie Cosette ist sie in Marius verliebt und unterstützt ihn an den Barrikaden. Trotz der Härte der Straße kann sie sich etwas Unschuld bewahren, doch ihr Leben wird im Kampf durch einen Schuss der Revolutionsgegner je beendet.


Vajèn van den Bosch schafft es, diesem jungen, verarmten Mädchen einen besonderen Charakter zu verleihen. Ihre Interpretation von „Heel alleen“ („On my own“) zeigt ihre eindrucksvolle Stimme und auch ihre schauspielerische Dar-stellung überzeugt uns über alle Maßen. Von ihrem Können konnte sich das Pub-likum in Deutschland bereits in Hamburg beeindrucken, wo sie als Elphaba in Wicked und als Indigo in Paramour auf der Bühne stand.


Überzeugung wird zur Besessenheit


Javert verfolgt Valjean nach Paris und entwickelt eine Abneigung gegen die revolutionäre Bewegung. Er will sie zerschlagen. Währenddessen sieht sich Valjean gezwungen, zwischen seinen gesellschaftlichen Pflichten und seinem Versprechen, Cosette zu beschützen, zu wählen. Er entscheidet sich, Marius und Cosette zu helfen. Bei den blutigen Kämpfen in Paris wird Javert gefangen genommen und von den Rebellen vor ein Tribunal gestellt. Valjean bittet um Javerts Leben und gewährt ihm Gnade, indem er ihn heimlich freilässt. Gleichzeitig rettet er Marius vor den Schüssen der Soldaten und bringt ihn in Sicherheit.

Mit der Tatsache, dass ausgerechnet Jean Valjean ihm das Leben gerettet hat, kommt Javert nicht zurecht. Diese Barmherzigkeit kann er nicht ertragen … die Umsetzung dieser Szene hat uns besonders beeindruckt und der Effekt hat nachhaltig für Eindruck gesorgt.

Die blutigen Kämpfe sind zerschlagen und die Pariser Bevölkerung kehrt allmählich zur Normalität zurück. Doch die Erinnerung an die Gefallenen sowie die Melodie der Revolution bleiben …



Fazit: 5 von 5 Sternen


Letztendlich geht es in dem Musical um Themen wie Liebe, Vergebung, Gerechtigkeit und die menschliche Fähigkeit zur Veränderung und zum Wandel. Die Charaktere müssen sich mit den Herausforderungen ihres Lebens auseinandersetzen und lernen, ihre persönlichen und moralischen Konflikte zu überwinden. Durch die Kraft der Musik und des Gesangs wird die Geschichte von "LES MISÉRABLES" zu einem emotionalen und bewegenden Erlebnis für das Publikum.


Gratulation an das gesamte Team für diese fantastische Inszenierung von LES MISÉRABLES. Vom Make-up über Kostüme, vom Bühnenbild über Ton und Licht sowie vom Orchester und den Darstellern war es eine rundum perfekte Vorstellung. Ein absolutes MUST SEE. Wer sich also in den nächsten Monaten in den Niederlanden oder in Belgien aufhält, sollte sich diese Tour nicht entgehen lassen. Weitere Informationen, zum Beispiel wo und wann die Aufführungen stattfinden, kann man sich auf der Webside von LES MISÉRABLES anschauen.


Fotogalerie (Foto-Credits: Johan Persson):



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