OKLAHOMA!
- Ines Marquardt
- vor 2 Tagen
- 3 Min. Lesezeit

Die Premiere von OKLAHOMA! am 19.06.2026 bei den Domplatz Open Air, Theater Magdeburg war nichts weniger als ein rauschender Triumph – ein Abend, der spürbar Musikgeschichte feierte, lebendig neu erzählte und die ein oder andere Frage in den Raum stellte.
Das Musical OKLAHOMA! von Richard Rodgers und Oscar Hammerstein II spielt um 1900 im Oklahoma-Territorium – einer Übergangszeit zwischen gesetzloser Frontier und entstehendem Bundesstaat. Genau in diesem Spannungsfeld entfaltet sich die Handlung: Gemeinschaft sucht Ordnung, Freiheit trifft auf Kontrolle, und Recht wird nicht selten dort gemacht, wo es offiziell noch fehlt.
Ein Meilenstein erwacht
Mit OKLAHOMA! schufen Richard Rodgers und Oscar Hammerstein II 1943 das erste „integrated musical“, Songs, Tanz und Handlung verschmelzen organisch. Die Story – angesiedelt im ländlichen Oklahoma um 1900 – erzählt vom Aufbruch, von Liebe und Rivalität, von Gemeinschaft und ihren Schattenseiten.
Laurey Williams steht zwischen dem charmanten Curly McLain und dem unheimlichen Außenseiter Jud Fry.
Heiterkeit, Sehnsucht und Abgründe liegen dicht beieinander. Genau diese Ambivalenz hat die die Magdeburger Premiere mit großer Klarheit heraus gearbeitet.
Detailverliebtheit trifft Wucht
Das detailverliebte Bühnenbild fängt Weite, Staub und Gemeinschaftsleben in Kombination mit Videoeinspielungen und Lichteffekten ebenso ein wie die dunklen Ecken der Seelen.
Dazu kommt ein musikalischer Höhepunkt von historischer Dimension: Die Magdeburgische Philharmonie spielte erstmals in ihrer größten Domplatzbesetzung auf – ein voller, leuchtender Klang, der den Domplatz Magdeburg in einen klangvollen Raum verwandelte. Die einzelnen Soli, die kraftvollen gemeinsamen Passagen und der präzise Rhythmus brachten die Gefühle des Abends klar und eindrucksvoll zum Ausdruck.
Ein Stück mit darstellerischen Glanzlichtern
Tante Eller Murphy – Kerstin Ibald: Ein grandioses Highlight. Stimmlich präsent, darstellerisch voller Wärme und Humor, mit klarem Blick für die Gemeinschaft – sie erdet das Stück und führt es zugleich.
Laurey Williams – Sabrina Weckerlin: Bekannt stark – und hier erneut prägnant. Ihre Laurey ist entschlossen, verletzlich und stimmlich souverän.
Jud Fry – Alexander Auler: Imposant in der Umsetzung des Psychopathen. Eine darstellerische Präsenz, die das augescheinlich Böse verkörpert und lange nachwirkt. Sein Spiel wirft Fragen auf: Warum ist Jud so? Wo liegen die Ursachen seines Handelns? Genau diese Offenheit macht die Figur erschreckend menschlich.
Curly McLain – Nicky Wuchinger: Ein überzeugend trauriger Held, charmant und zweifelnd zugleich – mit starker stimmlicher Linie.
Tanz, Witz & Ensemble
Die exzellenten Tanz-Solonummern und die kraftvollen Ensemble-Choreografien begeistern mit Präzision und Energie.
Für Leichtigkeit und Witz sorgen herrausstechend:
Kara Kemeny als Ado Annie Carnes – Ein liebenswert unentschlossener Teenager, der Grenzen austestet – herrlich komisch und sehr wahr.
Ali Hakim gespielt von Jan Ungar und Will Parker – Andrew Chadwick komplettieren die verwickelte Dreiecksgeschichte mit Ado Annie überzeugend mit viel Pep, Timing und Humor, ohne je die Tiefe des Abends zu unterlaufen.
Das Ensemble der Dorfbewohner schließlich überzeugt durch ungewöhnliche Vielschichtigkeit – so facettenreich wie das echte Leben. Jede Figur hat Kontur, jede Begegnung Bedeutung.
Diese Premiere ist ein beeindruckendes Ereignis.
Eine leidenschaftliche Hommage an einen Meilenstein der Musicalgeschichte – opulent, klug und berührend.
Mehr als nur Musical
OKLAHOMA! ist aber weit mehr als ein heiteres Pioniermusical. Es zeigt eine Gesellschaft im Entstehen, die ihre Ideale von Freiheit und Gemeinschaft beschwört, dabei jedoch:
Ausgrenzung legitimiert
Recht beugt
Moral selektiv anwendet
Jud Fry ist das Opfer und Produkt dieses Systems – unbequem, verstörend, aber zutiefst menschlich.
Gerade durch ihn stellt das Musical bis heute eine unbequeme Frage:
Wie gerecht ist eine Ordnung, die nur für jene gilt, die dazugehören?
Magdeburg setzt mit OKLAHOMA! ein Ausrufezeichen.
weitere Vorstellungen 20./21./24./25./26./27./28.6.26 1./2./3./4./5./8./9./10./11./12.7.26
für einige Termine gibt es noch einzelne Restkarten





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