CABARET
- Ines Marquardt
- 3. Juli
- 3 Min. Lesezeit

Willkommen, Bienvenue, Welcome – mitten ins Herz von Berlin
Am 2. Juli 2026 feierte das Musical CABARET eine umjubelte und restlos ausverkaufte Premiere im TIPI am Kanzleramt. Ein Abend, der deutlich machte: Dieses Stück ist nicht einfach Repertoire – es ist Berliner DNA. Das Publikum feierte frenetisch, wissend, Zeuge von etwas Besonderem zu sein.
60 Jahre Skandal, Glanz und Abgrund
Seit seiner Uraufführung 1966 am Broadway hat sich CABARET zu einem der bedeutendsten Klassiker der Musicalgeschichte entwickelt. Gespielt auf den Bühnen der Welt – und doch scheint es nirgends so zwingend zu wirken wie hier, in Berlin, dem Schauplatz seiner Geschichte.
Dass CABARET nun bereits seine 22. Spielzeit erlebt – in den Anfangsjahren in der Bar jeder Vernunft, heute im TIPI – ist daher folgerichtig. Dieses Musical gehört genau hierher: mitten hinein ins politische, widersprüchliche, bunte, rauschhafte Berlin.
Eine Sally Bowles, die Geschichte geschrieben hat – und zurückkehrt
Ein ganz besonderes Kapitel begann 2005, als eine junge Schauspielschülerin erstmals als Sally Bowles auf der Berliner Bühne stand: Sophie Berner. Was folgte, war eine beispiellose Erfolgsgeschichte: 13 Jahre prägte sie diese Rolle, gefeiert von Publikum und Presse. Heute ist sie ein etablierter Musicalstar – und 2026 kehrt sie für einen Monat zurück in den berüchtigten Kit Kat Klub. Ein Heimkommen, das berührt.
Worum geht’s denn eigentlich?
Berlin, frühe 30er. Nachtleben am Anschlag, Politik im Sinkflug. Drinnen Glitzer, draußen Gefahr. Im KIT KAT KLUB wird getanzt, geliebt, verdrängt – während die Realität immer lauter an die Tür klopft. Sally Bowles lebt für den Moment, der junge Amerikaner Clifford Bradshaw stolpert ahnungslos in diese brodelnde Stadt. Und während alle noch singen „Life is a Cabaret“, zieht draußen der Abgrund auf. Kurz gesagt: Sexy, bitter, brandaktuell – und verdammt berlinisch.
Leidenschaft Musical mittendrin – und begeistert
Wir von Leidenschaft Musical haben uns diese Premiere nicht entgehen lassen – und wurden reich belohnt. Die Sally Bowles dieses Abends überzeugt auf ganzer Linie.

Sophie Berner zeigt eine Professionalität, die beeindruckt, eine Liebe zum Beruf, die berührt, und einen tiefen Respekt vor dieser ikonischen Rolle. Ihre Sally ist glamourös und verletzlich, frech und verzweifelt – und macht die zentrale Botschaft von CABARET spürbar: Dieses Musical ist heute aktueller denn je.
Starke Figuren, starkes Ensemble – dit läuft!
Auch das übrige Ensemble trägt diesen Abend mit großer Klasse und Professionalität:
Clifford Bradshaw (Till Timmermann): überzeugend als zunächst unbedarfter Schriftsteller, der kopfüber ins brodelnde Berlin geworfen wird.

Fräulein Schneider (Brigitte Oelke) und Herr Schultz (Dirk Schoedon): zutiefst bewegend in der Tragik ihrer Figuren, mit einem Zusammenspiel, das leise und gerade deshalb umso schmerzhafter unter die Haut geht.
Unübertroffen sexy, frech und frivol: die Kit Kat Girls – Kiara Brunken, Sahra Fleige, Jeanette Nickel, Tobias Stemmer – perfekt ergänzt durch Meik van Severen als Conférencier. Ein Spiel mit dem Publikum, das knistert und elektrisiert.
Fräulein Kost (Anna Overbeck) bringt genau die richtige Portion Berliner Schnoddrigkeit und Witz – rotzig, direkt, herrlich.
Christophe Vetter als Ernst Ludwig sorgt mit eiskalter Präzision für Momente beklemmender Stille. Die Perfidität dieser Figur spiegelt sich in jeder Szene – Gänsehaut inklusive.

Nollendorfplatz-Feeling im TIPI – Pflichttermin!
Ein Besuch im Kit Kat Klub, ein Abstecher an den Berliner Nollendorfplatz – vereint im TIPI am Kanzleramt – ist dringend zu empfehlen.
CABARET zeigt sich hier als das, was es ist: Ein Klassiker der Musicalgeschichte am richtigen Ort, zur richtigen Zeit.
CABARET ist im TIPI am Kanzleramt bis zum 25.09.2026 zu sehen – und wird Berliner*innen wie Gäste gleichermaßen begeistern.
Oder, wie man hier sagt: Nicht Quatschen, Hingehen. Unbedingt. (Tickets)





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